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Bahnhof Gütersloh: Kein ICE, kein Alkohol – Pumpernickel bleibt erlaubt

Von KWS, Gütersloh, Nachrichten, 3.588 Views

Bahnhof Gütersloh: Kein #ICE, kein #Alkohol#Pumpernickel bleibt erlaubt

#Gütersloh, 5. September 2026

Die Lage am Gütersloher Hauptbahnhof spitzt sich weiter zu. Seit geraumer Zeit hält hier kein ICE mehr. Nun will die Deutsche Bahn auch noch den #Alkoholkonsum am #Bahnhof untersagen. Immerhin gibt es eine gute Nachricht: Pumpernickel bleibt nach gegenwärtigem Kenntnisstand erlaubt. Weder das Mitführen noch der Verzehr des westfälischen Schwarzbrots stehen derzeit zur Disposition.

Auch eine Beschränkung auf haushaltsübliche Mengen ist bislang nicht bekannt. Reisende dürften also weiterhin mit einer oder mehreren Scheiben Pumpernickel den Bahnsteig betreten, ohne einen Platzverweis befürchten zu müssen. Ob das auch bei größeren Reisegruppen mit auffällig umfangreichen Pumpernickelvorräten gilt, bleibt abzuwarten.

Für Gütersloh wäre ein Pumpernickelverbot ohnehin ein schwerer kulturpolitischer Einschnitt. Schließlich gehört das tiefdunkle #Roggenbrot zu #Westfalen wie #Regen, #Sturheit und die #Neigung, #Begeisterung möglichst unauffällig zu zeigen.

Ein #Brot mit sehr viel Zeit

Pumpernickel besteht traditionell im Wesentlichen aus Roggenschrot, Wasser, Salz und gegebenenfalls Hefe. Für die geschützte geografische Angabe »Westfälischer Pumpernickel« gelten sogar genaue Vorgaben: Mindestens 90 Prozent des Getreideanteils müssen Roggenbackschrot beziehungsweise #Roggenvollkornschrot sein.

Das Entscheidende ist allerdings die ungewöhnlich lange #Backzeit. Pumpernickel wird bei vergleichsweise niedriger Temperatur viele Stunden gebacken beziehungsweise gedämpft. Dabei entstehen seine charakteristische dunkle Farbe, die saftige Konsistenz und der leicht süßliche Geschmack. Beim Gütersloher Hersteller #Mestemacher dauert die schonende Backzeit nach eigenen Angaben bis zu 20 Stunden.

Damit dauert die Herstellung eines Pumpernickels ungefähr so lange, dass man währenddessen mehrfach am Gütersloher Hauptbahnhof nachsehen kann, ob inzwischen vielleicht doch ein ICE hält.

Von Gütersloh in die Welt

Und Pumpernickel ist in Gütersloh keineswegs irgendein Brot. Die Geschichte der Großbäckerei Mestemacher begann bereits 1871, als Johann Heinrich Mestemacher für seinen Sohn Wilhelm, einen Bäckermeister, eine Bäckerei einrichtete. 1910 gründete Wilhelm Mestemacher schließlich eine Spezialbäckerei für Pumpernickel. Das westfälische Brot war zu dieser Zeit längst über die Region hinaus bekannt und hatte sich im 19. Jahrhundert sogar zur #Delikatesse entwickelt.

Dank Verpackung und Pasteurisierung ließ sich das haltbare Brot später über große Entfernungen verschicken. Mestemacher exportierte es unter anderem nach #Großbritannien und in die #Niederlande, in den 1920er Jahren sogar bis in die #USA.

Der ICE fährt also heute an Gütersloh vorbei. Der Pumpernickel hingegen hat es von Gütersloh bis nach Amerika geschafft.

Man muss seine Verkehrsmittel eben sorgfältig auswählen.

Kulinarische Eskalationsstufe: Pumpernickel Hawaii

Wer nun demonstrativ von seinem weiterhin bestehenden Recht auf Pumpernickel Gebrauch machen möchte, kann das selbstverständlich klassisch tun. Man kann die westfälische Brotkultur allerdings auch auf eine Weise behandeln, die vermutlich schon für sich genommen einen Einsatz der #Bundespolizei rechtfertigen würde: Pumpernickel #Hawaii.

Das Rezept stammt aus dem Gütersloh Kochbuch und benötigt eine Scheibe Pumpernickel, eine Scheibe westfälischen #Knochenschinken, eine #Ananasscheibe aus der #Dose, #Schmelzkäse oder #Gouda, eine kandierte #Kirsche oder etwas #Preiselbeergelee sowie #Butter oder #Margarine.

Der Pumpernickel wird bestrichen und mit Schinken, Ananas und Käse belegt. Anschließend kommt das Werk bei 180 Grad für ungefähr 6 Minuten in den Backofen. Sobald der Käse zerläuft und über dem Loch der Ananasscheibe eine braune Stelle entsteht, ist der Pumpernickel Hawaii fertig. Kandierte Kirsche beziehungsweise Preiselbeergelee sorgen für den abschließenden Kontrollverlust.

Damit verbindet das Gericht gleich drei große kulinarische Traditionen: westfälischen Pumpernickel, Toast Hawaii und die vollkommen unbegründete Zuversicht der Nachkriegszeit, dass praktisch jedes Essen durch eine Scheibe Dosenananas international wird.

Ob Pumpernickel Hawaii künftig auch auf den Bahnsteigen des Gütersloher Hauptbahnhofs verzehrt werden darf, ist nicht ausdrücklich geregelt. Nach derzeitiger Lage spricht aber nichts dagegen.

Kein ICE. Kein Alkohol. Aber ein mit Knochenschinken, Ananas, Käse und Cocktailkirsche belegter Pumpernickel – das geht. Man muss der Deutschen Bahn schließlich auch einmal zugutehalten, dass sie nicht alles verbietet.

#Rezept: Pumpernickel Hawaii

1 Scheibe Pumpernickel

1 Scheibe Westfälischer Knochenschinken

1 Ananasscheibe (aus der Dose)

1 Scheibe Schmelzkäse oder Gouda

1 Kandierte Kirsche oder 1 Teelöffel Preiselbeergelee

Butter oder Margarine

Zubereitung

Zuerst wird eine Scheibe Pumpernickel gleichmäßig mit Butter oder Margarine bestrichen. Dann eine halbe Scheibe Schinken, eine Ananasscheibe und zuletzt den Käse darauflegen. Das ganze wird in einem auf 180 Grad vorgeheizten Backofen auf das Gitter gelegt. Sobald der Käse über der Ananas zerlaufen ist, beginnt die #Bräunung. Wenn sich über dem Loch der Ananasscheibe eine braune Stelle bildet, den Pumpernickel Hawaii herausnehmen und eine Minute abkühlen lassen. Die Backzeit dauert etwa 6 Minuten.

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