Von KWS, Gütersloh, Gütersloh Blog, 964 Views
#Gütersloh spricht #übereinander, nicht #miteinander
#Gütersloh, 14. September 2026
In Gütersloh redet man miteinander. Sehr viel sogar. Nur möglichst nicht mit demjenigen, um den es gerade geht.
A hat ein Problem mit B. Also spricht A mit C. C erzählt es D. D kennt zufällig E, der B schon immer etwas merkwürdig fand. Spätestens jetzt ist die Angelegenheit eigentlich geklärt. Nur B weiß noch nichts davon.
Das klingt wie eine #Glosse. Leider ist es keine.
Gütersloh ist #hervorragend #vernetzt. #Politik, #Verwaltung, #Wirtschaft, #Kultur, #Vereine, #Verbände, #Institutionen, #Nachbarschaften, #Freundeskreise, Social Media: Irgendwie kennt jeder jeden, und wenn nicht direkt, dann wenigstens jemanden, der jemanden kennt.
Vielleicht liegt genau darin ein Teil des Problems. Denn ein #Netzwerk ist noch lange kein Gespräch.
In einer überschaubaren Stadt entstehen erstaunlich schnell erstaunlich stabile Erzählungen über Menschen, #Unternehmen, #Institutionen und (vermeintliche) #Konflikte. Man weiß, wer »schwierig« ist. Man weiß, »wer mit wem nicht kann«. Man weiß, »warum« jemand etwas »getan« hat. Man weiß sogar, was jemand vermutlich tun wird.
Woher man das weiß?
Nun ja. Man hört so einiges.
Dabei wird eine Möglichkeit erstaunlich selten bedacht: Vielleicht hört man etwas über jemanden gerade von demjenigen, der das Problem mit ihm hat: »Maybe if you hear something about somebody, you hear it from the problem.«
Das ist ein bemerkenswert einfacher Gedanke. Eine Aussage über einen Menschen sagt schließlich nicht nur etwas über denjenigen aus, über den gesprochen wird. Sie sagt möglicherweise mindestens ebenso viel über denjenigen aus, der sie verbreitet.
Wer erzählt hier eigentlich was über wen – und warum?
Diese Frage müsste am Anfang stehen. In der Praxis steht sie häufig am Ende. Wenn überhaupt.
Und irgendwann lässt sich kaum noch feststellen, wo eine Geschichte eigentlich begonnen hat. Aus einer Vermutung wird eine Erzählung, aus einer Erzählung eine Gewissheit und aus der #Gewissheit schließlich etwas, das »doch jeder weiß«.
Nur mit demjenigen, der es wissen müsste, hat womöglich nie jemand gesprochen.
Dabei wäre die Lösung verblüffend einfach: Man könnte ihn fragen.
Das gilt übrigens nicht nur für private Beziehungen. Gerade dort, wo Institutionen, Unternehmen, Politik, Verwaltung, Medien und organisierte Interessen aufeinandertreffen, wäre das direkte Gespräch eigentlich das wichtigste Instrument überhaupt. Nicht die E Mail über 3 Verteiler. Nicht die Bemerkung beim Empfang. Nicht das vertrauliche »Ich habe gehört …«. Sondern: Was ist eigentlich los? Was wollen Sie? Was stört Sie? Was können wir ändern?
Freilich hilft auch die schönste #Beschwörung einer »#Gesprächskultur« nichts, wenn das Gespräch gar nicht stattfindet.
Auch das gehört zur Gütersloher #Kommunikationsfolklore: Gespräche werden angeboten, angeregt, gewünscht und für wichtig befunden. Man müsse »unbedingt einmal miteinander sprechen«. Selbstverständlich. Sehr gerne. Wir melden uns.
Und dann geschieht: nichts.
Das Gespräch bleibt eine theoretische Veranstaltung.
Fast noch raffinierter ist die 2. Variante: Man spricht tatsächlich miteinander – nur darf das Gespräch zu keinem Ergebnis führen. Dieselben Positionen werden wiederholt, dieselben Argumente ausgetauscht, dieselben Missverständnisse zum 5. Mal erläutert. Nach einer Stunde geht jeder mit genau der Auffassung nach Hause, mit der er gekommen ist. Man hat miteinander gesprochen und damit offenbar seine gesellschaftliche Pflicht erfüllt.
Auch das ist kein #Dialog.
Ein Gespräch hat keinen Wert allein dadurch, dass 2 oder mehr Menschen gleichzeitig in einem Raum sitzen und abwechselnd Geräusche erzeugen.
Wer miteinander spricht, muss zumindest die Möglichkeit zulassen, dass der andere etwas sagen könnte, das die eigene Sicht verändert. Man muss nicht zustimmen. Man muss keinen Kompromiss finden. Man darf sogar zu dem Ergebnis kommen, dass man sich fundamental uneinig ist.
Aber dann weiß wenigstens jeder, woran er ist.
Und vielleicht stellt sich dabei sogar heraus, dass das große Problem, von dem alle schon gehört haben, gar nicht dort sitzt, wo alle es vermutet haben.
Das wäre bereits ein erheblicher Fortschritt gegenüber einer #Kommunikationskultur, in der Konflikte durch Dritte wandern, Gesprächsangebote versanden und ergebnislose Gesprächsschleifen irgendwann selbst für Problemlösung gehalten werden.
Vielleicht braucht Gütersloh deshalb gar nicht mehr Kommunikation.
Davon gibt es reichlich.
Vielleicht müsste sie nur gelegentlich ihre Richtung ändern: nicht über den anderen hinweg zum Nächsten, sondern direkt zum anderen.
Man könnte anrufen.
Man könnte fragen.
Man könnte zuhören.
Und anschließend könnte man sogar etwas tun.
Das wäre vermutlich revolutionär.
#NOW #N #KWS #ROSA #OWL #GT #GGC #GOGREENCHALLENGE #VISITGÜTERSLOH #VISITGT #NIEWIEDERISTJETZT #MARIECHENMARKT
