Von KWS, Karla-Wagner-Stiftung, KWS Lectures, 365 Views
#KWS #Lectures: »Full House« – warum McDonald’s nicht das beste Essen hat und Dialoggaren trotzdem richtig war
#Gütersloh, 13. September 2026
1. Die falsche Frage
Wer fragt »Was bringt’s?« hat schon verloren. Das ist #Ananke. #Kontrolle. #Plan. Wer fragt »Was zieht’s?« hat verstanden. Das ist #Pogo.
#Miele hat bei #Dialoggaren, Grow Schrank und Rezepte App die falsche Frage gestellt. Sie dachten, Dialoggaren müsse ein Produkt sein. Etwas, das Nutzen bringt. Alle kaufen es, alle garen damit.
Ich dachte damals umgekehrt: Das ist Schwachsinn, braucht keiner.
Beides war falsch. Die Wahrheit: Dialoggaren ist kein Produkt. Dialoggaren ist ein Pogo ganz weit rechts. Es geht nicht um Dialoggaren an sich – das ist tatsächlich Schwachsinn. Es geht darum, was es raufzieht.
2. Was ist ein Pogo?
In Stephen Jay Goulds »Full House« gibt es keine Entwicklung zur Mitte. Es gibt nur Verteilung. Die #Glocke. Links sterben, rechts ist die Wand des Möglichen.
Ein Pogo ist ein Sprung an die rechte Wand. So weit rechts, dass 99 Prozent sagen: Schwachsinn. Aber das 1 Prozent, das es schafft, zieht die ganze Glocke nach rechts oben. Aber die Gaußsche Glocke ist eher Wunschdenken und Märchen. Die Wahrheit ist die #Pareto Verteilung.
McDonald’s ist das Gegenteil. McDonald’s ist kein Pogo. McDonald’s ist die Mitte. Wie Max Goldt sagte: Nicht kalt, nicht heiß, sondern lauwarm. Schmeckt nicht richtig scheiße, aber auch nicht richtig gut. Höchste Dichte. Alle da. Konsens als Geschäftsmodell.
Frage: Ist McDonald’s die erfolgreichste #Gastronomiefirma des #Universums, weil sie das beste #Essen hat? Wohl kaum.
#Bora ist das Gegenteil. 12.000 Euro Abzug. Braucht kein Mensch. Aber wer Bora kann, der traut sich auch zu, ein gutes #Kochfeld zu bauen. Bora ist Pogo, McDonald’s ist Ananke.
3. #Apollo und »#Concorde« – die nutzlosen Pogons
Das hat schon Kennedy verstanden. Das Apollo Programm hatte keinen großartigen Nutzen. 25 Milliarden Dollar für #Steine, die auch ein #Roboter hätte holen können. Auf dem Papier: #Milliardengrab. #Betriebswirtschaftlich: #Wahnsinn. In »Full House« Sprache: Der größte »Anti Full House« Impuls der Geschichte. Ein »Full House Impuls«. Oder »Anti Full House Impuls«.
#Kennedy sagte nicht: Wir fliegen zum #Mond, weil es sinnvoll ist. Er sagte: Wir fliegen zum Mond, weil es schwer ist.
Ergebnis: 400.000 Menschen springen gemeinsam nach rechts. Und das Fallout zieht alles nach. #Mikrochip, #CAD, #Materialforschung, Uni Offensive, #Umweltbewegung – das erste Foto der Erde, »#Earthrise«, hat mehr für den #Umweltschutz getan als 1.000 Konferenzen. Ohne nutzlosen Mond kein nützlicher #Computer.
»Concorde« dasselbe. Mach 2, 100 Passagiere, Kerosinverbrauch eines Dorfes. Milliardengrab. Aber als Pogo? Unschlagbar. Ein Gemeinschaftsprojekt. #England und #Frankreich, die sonst nur streiten, bauen zusammen das schönste #Flugzeug, das je geflogen ist. Kein Nutzen, nur Schönheit. Und Schönheit zieht.
Deshalb: Apollo hat die Welt bewegt – positiv. Das muss man erstmal schaffen. Ja, es gab »Whitey on the Moon« – Gil Scott Heron hatte recht, 1970. #Rattenbisse im #Ghetto und #Whitey fliegt zum #Mond. Der Vorwurf ist berechtigt. Aber was ist danach passiert? Es hat alles nachgezogen. Auch Whiteys Schwester #Nell hat am Ende ein #Krankenhausgerät bekommen, das es ohne Apollo nie gegeben hätte. #Planwirtschaft hätte gesagt: Erst Nell. Ergebnis: Weder Mond noch Nell. Pogo sagt: Mond. Ergebnis: Mond und mehr für Nell als jeder Plan.
Heute gibt es schwarze Astronauten. Das Talent war immer da. Was fehlte, war Dichte.
4. Dichte ist nicht #Crowding
#Afrika hat sowas nie erreicht. Liegt nicht an den Leuten. Liegt an Dichte. Aber Dichte meint nicht viele Menschen auf wenig Raum.
#Megacitys in der Wüste bringen auch nichts. Die sind ruckzuck viel zu dicht besiedelt. Das ist Crowding. Beide Wände gekappt. Alle gleich. »Universe 25«. #Dubai, #Neom – 5 Millionen Menschen, klimatisiert, gleiches Problem: #Wasser, #Strom, #Schatten. Viel #Dichte, null #Varianz.
Echte Dichte ist vernetzte Varianz. Besiedlungsdichte plus geographische Varianz plus klimatische Varianz. Kalifornien: 400 Kilometer, #Wüste, Sierra Nevada, #Wald, #Küste, #Agrarland. Jedes Tal eine andere Nische, jede Nische eine andere #Hyperkante, und alle können sich besuchen. USA hatte Glück: #Ostküste dicht, dann 3.000 Kilometer Varianz bis #Westküste, und eine #Eisenbahn dazwischen.
Afrika hat geographisch die größte Varianz der Welt – von Schnee auf dem Kilimandscharo bis Regenwald. Aber die Besiedlungs Dichte, die diese Varianz vernetzt, wurde systematisch zerstört. Straßen, die nur zur Mine führen, nicht von Dorf zu Dorf. Grenzen, die durch Klimazonen schneiden.
Apollo brauchte keine 400.000 Genies. Es brauchte 400.000 Durchschnittsleute mit absurder Verbindungsdichte.
5. Die eingebauten 10. Männer
Jede kluge #Kultur hat verstanden, dass man Pogo nicht planen kann, aber eine Rolle planen kann, die Pogo erzwingt.
Der #Heyoka bei den #Lakota: Der heilige Clown, der alles verkehrt herum macht. Wenn alle ja sagen, sagt er nein. Wenn es heiß ist, friert er. Er ist die lebende rechte Wand. Weil er heilig ist, darf er es, ohne bestraft zu werden.
Der Advocatus Diaboli in der Katholischen #Kirche: Wenn einer heilig gesprochen werden soll, muss einer offiziell den #Teufel spielen. Nicht weil man den Heiligen nicht mag, sondern weil man weiß: Die Mitte will immer heilig sprechen. Man braucht einen, der gezwungen ist, dagegen zu sein. Seit Johannes Paul II. das Amt 1983 abschaffte, geht Heiligsprechung doppelt so schnell.
Der 10. Mann beim israelischen Geheimdienst – Ipcha Mistabra: Nach dem Jom Kippur Krieg 1973, als alle 9 sagten »#Ägypten greift nicht an« und sie griffen doch an. Seitdem gilt: Wenn 9 sich einig sind, muss der 10. automatisch die Gegenposition einnehmen und beweisen, dass die 9 falsch liegen. Nicht weil er recht hat, sondern weil Konsens ein Alarmsignal ist.
Oder wie Mark Twain sagte: »Wenn Du dich ständig auf der Seite der Mehrheit wiederfindest, mach Dir dringend Gedanken.«
Der Typ, der immer in der Mehrheit ist, hat nicht öfter recht. Er ist nur die schöne Maus. Perfekt angepasst an »Universe 25«.
6. Rosamunde Pilcher vs. #Freakbücher
Und damit sind wir bei der Pflichtlektüre. Naturgesetz: Wer sich mit Krieg beschäftigt, muss »Fiasko« von Stanisław Lem lesen. Wer sich mit #Weihnachtsmärkten beschäftigt, muss »Vom Zauber des seitlich dran Vorbeigehens« von Max Goldt gelesen haben. Wer sich mit #Industrie beschäftigt, muss »Nieten in Nadelstreifen« von Günter Ogger lesen. Wer sich mit italienischer #Feinkost und #Verbraucherthemen beschäftigt: »König Kunde, angeschmiert und abserviert«. Wirtschaft: »Freakonomics«.
Was bringt’s? Freakbücher. Rosamunde Pilcher bringt nichts und niemanden weiter.
Pilcher ist McDonald’s als Buch. Lauwarm. 20 Millionen Auflage. Zieht keinen einzigen Pogo nach rechts. Kein Mensch hat nach #Pilcher eine #Rakete gebaut.
Freakbücher verkaufen 5.000 Stück, werden von 90 Prozent als Spinnerei abgetan, aber die 10 Prozent, die sie lesen, bauen danach Apollo. Oder kündigen bei Miele.
Mitte verwaltet. Mitte optimiert den Glühweinstand. Rechte Wand erfindet ihn.
Deshalb war #Dialoggaren richtig. Aber Miele hat es falsch erzählt. Man hätte nicht sagen dürfen: »Das ist die Zukunft des Kochens.« Man hätte sagen müssen: »Das ist völliger Schwachsinn. Kostet 8.000 Euro. Kann fast nichts besser. Aber schaut, wozu wir in Gütersloh fähig sind, wenn wir Langeweile haben.«
Einmal ein Top Pogo. Und einmal auch noch ein Gemeinschaftsprojekt. Mit politischem und gesellschaftlichem Nutzen.
#NOW #N #KWS #ROSA #OWL #GT #GGC #GOGREENCHALLENGE #VISITGÜTERSLOH #VISITGT #NIEWIEDERISTJETZT #MARIECHENMARKT
