Von Christian Schröter, Kunst und Kultur, Kommentare, 4.120 Views
10 Fragen an Güterslohs Bürgermeister
#Gütersloh, 3. September 2026
Matthias Trepper wollte »Brücken bauen. Verbinden. Vernetzen.« Knapp zwei Jahre nach seiner Wahl ist es Zeit für ein paar Fragen.
Am 7. Oktober 2024 stand Matthias Trepper im #Restaurant »#Gütsel« am #Herd. #Kürbissuppe, #Krüstchen und #Politik kamen auf den Tisch. Wenige Wochen später wurde gewählt. Mehr beim »Politischen Kochduell« …
Treppers Wahlkampfmotto lautete: »Brücken bauen. Verbinden. Vernetzen.« Er wollte #Menschen miteinander in #Verbindung bringen, #Wirtschaft und #Handel, #Vereine und #Organisationen, #Politik und #Verwaltung sowie #Bürger #zusammenbringen. #Kultur und #Sport bezeichnete er als wichtige Bausteine einer lebenswerten Stadt.
Das klang gut. Ich schrieb damals selbst ausgesprochen positiv über den Bürgermeisterkandidaten. Matthias #Trepper sei in Gütersloh verwurzelt, kenne die Stadt und ihre Menschen und wisse, wovon er spreche.
Knapp zwei Jahre später stelle ich fest: Ich suche nach der politischen Handschrift dieses Bürgermeisters – und finde erstaunlich wenig.
Vielleicht übersehe ich etwas. Deshalb 10 offene Fragen an Güterslohs Bürgermeister – verbunden mit meinen ganz persönlichen, vorläufigen Antworten.
1. Herr Trepper, wo sind die Brücken?
»Brücken bauen. Verbinden. Vernetzen.« war nicht irgendein Nebensatz im Wahlkampf, sondern Ihr Motto.
Welche festgefahrenen Konflikte haben Sie seit Ihrem Amtsantritt moderiert? Welche Menschen oder Gruppen, die sich voneinander entfernt hatten, haben Sie wieder zusammengebracht? Wo ist ein gesellschaftlicher oder politischer Graben in Gütersloh durch Ihr persönliches Zutun kleiner geworden?
Meine vorläufige Antwort: Mir fällt kein prägendes Beispiel ein.
Im Gegenteil: Zumindest in einem (angeblichen) »#Konflikt«, den ich aus eigener Anschauung beurteilen kann, ist genau das Gegenteil geschehen. Meine seit Jahren zunehmende Ausgrenzung aus Teilen des öffentlichen und kulturellen Lebens in Gütersloh hat sich nicht verringert, sondern weiter verschärft.
Eine #Brücke kann ich dort nicht erkennen.
2. Was ist Ihre politische Handschrift?
Natürlich besteht #Kommunalpolitik nicht nur aus dem #Bürgermeister. Es gibt einen #Rat, #Ausschüsse, eine große #Verwaltung, städtische Gesellschaften und #Einrichtungen. Vieles läuft unabhängig davon weiter, wer gerade im #Rathaus an der Spitze steht.
Gerade deshalb interessiert mich nach knapp zwei Jahren eine einfache Frage: Welche wesentliche Entwicklung in Gütersloh trägt erkennbar die persönliche politische Handschrift von Matthias Trepper?
Was haben Sie initiiert? Wo haben Sie eine Debatte angestoßen? Wo eine festgefahrene Situation verändert? Wo haben Sie gesagt: Da will ich hin – und dafür setze ich mich ein?
Meine vorläufige Antwort: Ich weiß es nicht.
Und genau das finde ich bemerkenswert.
3. Was bedeutet »Brücken bauen«, wenn tatsächlich eine Brücke gebraucht wird?
Diese Frage betrifft mich persönlich. Deshalb vorab zur Einordnung: Auftraggeber für die neue Website des Stadtmuseums war nicht die Stadt Gütersloh, sondern der Heimatverein Gütersloh als Träger des Stadtmuseums. Vertreten wurde der Verein durch seinen damaligen Vorsitzenden Matthias Trepper – im Vorstand seit November 2022.
Matthias Trepper hatte mich über Jahre immer wieder darauf angesprochen, die völlig veraltete Website neu zu machen. Kurz vor der Bürgermeisterwahl 2024 wurde es konkret. Beim politischen Kochduell im Restaurant Gütsel am 7. Oktober 2024 sprachen wir darüber, wenige Wochen später erteilte er mir in seiner Funktion als Vorsitzender den Auftrag.
Ich habe daraufhin über rund anderthalb Jahre eine neue Website entwickelt – mit Terminkalender, Onlineshop, Suchfunktion, Hashtagfunktion, eigenem Backend auf Basis meines »#Webcube« #CMS, inklusive Fotos, Schulungen und laufender Anpassungswünsche. Dass es einen Auftrag gab und dass die Website rund anderthalb Jahre genutzt wurde, wird auch im späteren Anwaltsschreiben des Heimatvereins so dargestellt.
Nach seiner Wahl zum Bürgermeister – seit dem 3. Dezember 2024 ist Matthias Trepper Bürgermeister der Stadt Gütersloh – trat er als Vorsitzender zurück. Mir wurde in der Folge mitgeteilt, der Vorstand sei über meinen Auftrag nicht informiert gewesen. Gleichzeitig wurde die Website weiter genutzt.
Mir ging es dabei nie primär um Geld. Im Gegenteil: Matthias Trepper selbst hatte gesagt, ich solle dafür Geld bekommen. Ich habe sogar angebotene Zahlungen abgelehnt. Mir ging es um eine ideelle Gegenleistung – um Resonanz, Respekt und Augenhöhe. Beides blieb aus.
Ja, ich habe am Ende eine Rechnung über 5.000 Euro netto (5.950 Euro brutto) gestellt. Erstens sollte der Erlös in meine #Stiftung fließen. Zweitens ist #Respekt nicht klagbar. Über fehlende #Augenhöhe kann ich keine #Rechnung stellen.
Die Rechnung blieb unbezahlt. Nach Darstellung des Heimatvereins in einem mir vorliegenden Anwaltsschreiben wurde mein Vergütungsanspruch vollständig zurückgewiesen, zugleich machte der Verein seinerseits Schadensersatzansprüche geltend und erklärte die Aufrechnung. Meine erbrachte Leistung wurde in dem Schreiben mit null bewertet. Hinzu kam eine persönliche Herabwürdigung per WhatsApp, die mir vorliegt. Seitdem herrscht Funkstille. Ich habe in dieser Phase sogar die AuthCodes bereitgestellt und eine nahtlose Fortführung angeboten.
Über die Einzelheiten, über die Frage wer in welcher Sachfrage und Rechtsfrage Recht hat, und über die Belege werde ich an anderer Stelle ausführlich berichten. Für die Frage an den Bürgermeister ist das nicht entscheidend.
Entscheidend ist: Ich habe mich in dieser Situation persönlich an Matthias Trepper gewandt. Nicht mit einer Presseanfrage. Nicht mit einer öffentlichen Attacke. Sondern als die Person, die mich beauftragt hatte, mit der Bitte, sich den Vorgang persönlich anzusehen. Ich habe angeboten, den gesamten Verlauf zusammenzustellen.
Eine Antwort habe ich nicht erhalten.
Deshalb meine Frage: Wie passt das zu »Brücken bauen. Verbinden. Vernetzen.«?
Eine weitere Zusammenarbeit ist für mich nach der Beschimpfung, nach der anwaltlichen Herabwürdigung meiner Arbeit und nach der Entscheidung, dass das #Museumscafé ausdrücklich nicht mit mir zusammenarbeitet, nicht mehr vorstellbar.
Musste der Bürgermeister hier vermitteln? Darüber kann man streiten. Aber von einem Bürgermeister, der mit »Brücken bauen« angetreten ist, hätte ich zumindest eine Reaktion erwartet. Und sei es der Hinweis, dass er nicht zuständig sei.
Meine vorläufige Antwort: Eine Brücke kann ich hier nicht erkennen.
4. Wann ist ein »Konflikt« eigentlich Sache des Bürgermeisters?
Ein Bürgermeister kann und soll sich nicht in jeden Streit in Gütersloh einmischen. Er ist weder Schiedsrichter für Nachbarschaftskonflikte noch Beschwerdestelle für jede persönliche Auseinandersetzung.
Aber wo beginnt politische Verantwortung?
Wenn »Konflikte« städtische oder mit der Stadt verbundene Einrichtungen betreffen? Wenn Bürger das Vertrauen in Verwaltung und Institutionen verlieren? Wenn Fronten verhärtet sind? Wenn jemand ausdrücklich um Vermittlung bittet?
Gerade wer mit »Brücken bauen« für sich geworben hat, müsste darauf eine Antwort haben.
Meine vorläufige Antwort: Ich kann bislang nicht erkennen, nach welchem Verständnis Matthias Trepper diese moderierende Funktion seines Amtes wahrnimmt.
5. Was haben Sie kulturpolitisch angestoßen?
#Kultur war ausdrücklich Bestandteil Ihres Wahlprogramms. Kultur sei ein wichtiger Baustein, der Gütersloh lebenswert mache.
Also ganz konkret: Welche kulturpolitische Initiative der vergangenen knapp 2 Jahre geht auf Matthias Trepper zurück?
Dabei geht es nicht um Veranstaltungen, die ohnehin stattfinden. Nicht um die Arbeit der Kultur Räume, des Theaters, der Stadthalle, der Stadtbibliothek, des Stadtmuseums, der Vereine und der freien Kulturszene.
Es geht um Ihre politische Initiative.
Was wollten Sie verändern? Was haben Sie angestoßen? Wo ist Ihre Vorstellung davon erkennbar, wie sich Kultur in Gütersloh entwickeln soll?
Meine vorläufige Antwort: Mir ist keine prägende kulturpolitische Initiative bekannt.
6. Was wurde aus der angekündigten Unterstützung für die #Gastronomie?
Beim politischen Kochduell im Oktober 2024 plädierten Sie für eine »Anpassung der Stadtverordnung in Bezug auf die Gastronomie«.
Es müsse vornehmlich darum gehen, die Gütersloher Gastronomen zu unterstützen und sie nicht unnötig und undifferenziert zu reglementieren.
Das ist im Gegensatz zum allgemeinen »Brücken bauen« sogar einigermaßen konkret.
Nur: Welche Stadtverordnung war eigentlich gemeint? Was sollte geändert werden? Und was ist daraus geworden?
Ich habe in der Sammlung der städtischen Rechtsvorschriften gesucht. Eine entsprechende grundlegende Änderung zugunsten der Gastronomie kann ich bislang nicht erkennen.
Meine vorläufige Antwort: Unklar.
Vielleicht ist etwas geschehen, das ich übersehen habe. Vielleicht war damals etwas anderes gemeint. Vielleicht ist nichts geschehen.
Aber genau deshalb steht die Frage hier.
7. Herr Trepper, was ist Ihr Plan für das #Parkbad?
Das Parkbad ist nicht erst seit Matthias Treppers Amtsantritt ein Problem. Es wäre deshalb Unsinn, ihm dessen gesamten Zustand anzulasten.
Aber inzwischen ist er Bürgermeister.
Das Parkbad bleibt eine Baustelle. #Sanierungsfragen ziehen sich hin, #Nutzungsmöglichkeiten bleiben problematisch, und zuletzt lieferte der Streit um einen #Autoscooter ein geradezu absurdes Schauspiel.
Deshalb interessiert mich nicht die Frage: Wer ist schuld?
Sondern: Was wollen Sie?
Wie soll das Parkbad in 5 oder 10 Jahren aussehen? Welche Funktion soll es erfüllen? Was ist realistisch? Und welche Initiative haben Sie persönlich ergriffen, um diesem Ziel näherzukommen?
Meine vorläufige Antwort: Eine klare politische Linie des Bürgermeisters kann ich nicht erkennen.
8. Und was ist Ihr Plan für das Nordbad?
Auch das Nordbad ist ein älteres Problem.
#Sprungturm, #Nichtschwimmerbecken, notwendige #Sanierungen, fehlendes Geld: Die Probleme sind bekannt. Und selbstverständlich kann ein Bürgermeister Millionen für eine Schwimmbadsanierung nicht einfach aus seiner Schreibtischschublade ziehen.
Aber politische Führung besteht auch darin, eine Richtung vorzugeben.
Was soll aus dem Nordbad werden? Was hat Priorität? Was ist finanzierbar? Was nicht? Was soll erhalten werden? Was muss aufgegeben werden?
Und vor allem: Welche Position vertritt der Bürgermeister?
Meine vorläufige Antwort: Ich weiß es nicht.
9. Wo haben Sie Führung übernommen, als es schwierig wurde?
Bei #Sonnenschein kann jeder Bürgermeister Termine wahrnehmen, Grußworte halten, Hände schütteln und Fototermine absolvieren.
Politisch interessant wird ein Amt dort, wo es unangenehm wird.
Wo Interessen aufeinanderprallen. Wo Institutionen versagen. Wo Geld fehlt. Wo Bürger wütend werden. Wo Verwaltung und Politik nicht weiterkommen. Wo Entscheidungen zwangsläufig jemanden enttäuschen.
Deshalb würde mich interessieren: Bei welchen schwierigen Gütersloher Konflikten haben Sie persönlich Führung übernommen?
Nicht verwaltet. Nicht begleitet. Nicht an einen Fachbereich weitergegeben.
Geführt.
Meine vorläufige Antwort: Auch hier fällt es mir schwer, ein prägendes Beispiel zu nennen.
10. Was soll am Ende Ihrer Amtszeit anders sein?
Vielleicht ist das die wichtigste Frage.
Nicht: Welche Veranstaltungen haben Sie besucht? Wie viele Termine standen in Ihrem Kalender? Welche Beschlüsse hat der Rat gefasst? Welche Projekte hat die Verwaltung abgearbeitet?
Sondern: Was soll in Gütersloh am Ende Ihrer Amtszeit erkennbar anders sein, weil Matthias Trepper Bürgermeister war?
Welche 3 Dinge sollen die Gütersloher dann mit Ihrer Amtszeit verbinden?
Was ist Ihr #Projekt?
Was ist Ihr #Ziel?
Was ist Ihre #Idee für diese Stadt?
Wo ist der Bürgermeister?
Vielleicht fallen die Antworten auf diese zehn Fragen ganz anders aus als meine vorläufigen Antworten.
Das wäre sogar erfreulich.
Denn meine Bilanz nach knapp 2 Jahren lautet bislang nicht, dass Matthias Trepper mit seiner #Politik gescheitert sei.
Mein Problem ist grundlegender: Ich kann diese Politik kaum erkennen.
»Brücken bauen. Verbinden. Vernetzen.« war ein sympathisches Wahlkampfmotto. Aber irgendwann müssen aus Verben Taten werden. Irgendwann muss aus einem Motto ein erkennbares Amtsverständnis entstehen. Und irgendwann sollte sichtbarwerden, welche Richtung ein Bürgermeister seiner Stadt geben möchte.
Am 7. Oktober 2024 stand Matthias Trepper im Restaurant »Gütsel« am Herd. Damals schrieb ich: Die Hauptaufgabe des neuen Bürgermeisters werde es sein, die Stadtgesellschaft wieder zusammenzubringen.
Knapp 2 Jahre später habe ich vor allem eine Frage: Wo sind die Brücken?
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