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»Die Krabbe, die hinauswollte«, eine Parabel

Von KWS, Kunst und Kultur, Literatur, 1.353 Views

»Die Krabbe, die hinauswollte«, eine #Parabel

#Gütersloh, 2. September 2026

In einem großen #Topf saßen viele #Krabben.

Der Topf war tief, aber nicht so tief, dass man ihn nicht hätte verlassen können. Wenn eine Krabbe sich aufrichtete, sich an einer anderen abstützte und die Schere über den Rand bekam, konnte sie es schaffen.

Hin und wieder versuchte es eine.

Sofort griffen die anderen nach ihr.

»Wo willst du hin?«

»Nach oben.«

»Aha. Nach oben.«

Und schon zogen sie sie wieder herunter.

Das war seit jeher so, und deshalb brauchte der Topf keinen #Deckel.

Die Krabben waren sogar ein wenig stolz darauf.

»Bei uns hält man zusammen«, sagten sie.

»Keine bleibt zurück.«

»Und keine hält sich für etwas Besseres.«

Eines Tages begann das Wasser warm zu werden.

Zunächst fanden es einige angenehm.

»Endlich tut mal jemand etwas für uns.«

Andere bemerkten gar nichts.

Eine ältere #Krabbe erklärte, das #Wasser sei schon immer ungefähr so warm gewesen. Man solle nicht alles dramatisieren.

Eine andere sagte, sie habe gehört, Wärme sei gut für die Durchblutung.

Nur eine Krabbe wurde unruhig.

Sie kletterte los.

Sofort packten die anderen ihre Beine.

»Da ist sie wieder!«

»Typisch.«

»Immer muss eine aus der Reihe tanzen.«

»Ich will sehen, was draußen ist«, sagte die Krabbe.

»Warum? Ist es dir hier nicht gut genug?«

»Das Wasser wird heiß.«

»Das ist deine Wahrnehmung.«

»Es wird wirklich heiß.«

»Hast du dafür Belege?«

»Wir sitzen in einem Topf auf einem Herd.«

Eine kurze Stille entstand.

Dann sagte eine Krabbe:

»Jetzt wird sie persönlich.«

Eine andere schüttelte den Kopf.

»Immer diese Herd-Narrative.«

Die Krabbe versuchte weiterzuklettern.

»Hört zu«, sagte sie. »Wenn ich herauskomme, kann ich vielleicht Hilfe holen.«

Die anderen sahen einander an.

»Hilfe.«

»Ja.«

»Von wem denn?«

»Das weiß ich noch nicht.«

Empörtes Murmeln.

»Sie weiß es noch nicht.«

»Aber Hauptsache, erst einmal raus.«

»Ich könnte nachsehen, ob jemand den Herd abstellen kann.«

»Könnte.«

»Oder ich könnte versuchen, den Topf herunterzustoßen.«

»Versuchen.«

»Vielleicht finde ich etwas, womit ich euch herausheben kann.«

Da lachte eine Krabbe.

»Ach, jetzt will sie uns auch noch retten.«

Die anderen lachten mit.

Das Wasser wurde heißer.

Die Krabbe zog sich noch einmal hoch. Diesmal schaffte sie es fast bis zum Rand.

»Lasst mich los!«

»Hört ihr das?«, rief eine der anderen. »Jetzt wird sie aggressiv.«

»Ich will nicht gekocht werden!«

»Wir auch nicht. Trotzdem benehmen wir uns vernünftig.«

»Dann kommt mit!«

»Wir können doch nicht alle einfach gehen.«

»Warum nicht?«

Darauf wusste zunächst niemand eine Antwort.

Schließlich sagte die älteste Krabbe:

»Weil dann niemand mehr da wäre.«

Das überzeugte alle.

Sie zogen die Krabbe zurück.

Sie fiel mitten unter sie.

Eine legte ihr fürsorglich eine Schere auf die Schulter.

»Du musst lernen, die Dinge zu akzeptieren, die du nicht ändern kannst.«

»Aber ich kann sie vielleicht ändern.«

»Genau das ist dein Problem.«

Das Wasser begann zu kochen.

Noch einmal versuchte die Krabbe, nach oben zu kommen.

Diesmal wehrte sie sich gegen die Scheren, die nach ihr griffen. Sie trat, schob und schlug um sich.

»Seht ihr!«, rief eine Krabbe. »Ich habe immer gesagt, mit der stimmt etwas nicht.«

»Völlig unsozial.«

»Gefährlich.«

»Sie verletzt andere.«

»Weil ihr mich festhaltet!«

»Jetzt gibt sie uns auch noch die Schuld.«

Mit letzter Kraft erreichte sie den Rand.

Für einen Augenblick hing sie dort.

Draußen sah sie die Küche.

Sie sah den Herd.

Sie sah den Schalter.

Und auf dem Tisch, nur wenige Schritte entfernt, lag ein großer Schaumlöffel.

Die anderen konnten das alles nicht sehen.

Sie sahen nur eine Krabbe, die über ihnen hing.

Eine, die es beinahe geschafft hatte.

Eine, die sich offenbar für etwas Besseres hielt.

Also streckten sie gemeinsam ihre Scheren nach ihr aus.

»Bei uns«, sagte die älteste Krabbe, während sie kräftig zog, »lässt man niemanden zurück.«

Und alle waren sehr erleichtert, als die Krabbe wieder bei ihnen im #Topf lag.

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