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Sie können die anderen nicht ändern, Sie Hexe! Eine Geschichte aus dem Jahre des Herrn 1612

Von KWS, Sokrates Jetzt, Journal, 2.046 Views

Sie können die anderen nicht ändern, Sie #Hexe! Eine Geschichte aus dem Jahre des Herrn 1612

#Gütersloh, 1. September 2026

Als Margarethe B. an einem Dienstagmorgen bemerkte, dass vor ihrem Haus ein Scheiterhaufen errichtet wurde, beschloss sie, sich Hilfe zu holen.

Das war nicht ganz einfach.

Seit der #Gesundheitsreform des #Kurfürsten durfte man sich mit Problemen nämlich nicht mehr unmittelbar an einen Fachkundigen wenden. Es galt das #Primärarztprinzip.

Margarethe ging also zunächst zu ihrem #Hausarzt, Medicus Konrad Brenner.

»Was führt Euch zu mir?«, fragte Brenner.

»Man hält mich für eine Hexe.«

Der Medicus sah sie freundlich an.

»Wer ist ›man‹?«

»Die Leute.«

»Welche Leute?«

»Fast alle.«

Brenner machte sich eine Notiz.

»Ihr empfindet also, dass fast alle Leute Euch für eine Hexe halten.«

»Nein. Ich empfinde das nicht. Sie sagen es.«

»Wer sagt es?«

»Der #Bäcker. Der #Schmied. Der #Küster. Vorgestern hat es der #Bürgermeister auf dem #Marktplatz gesagt. Und seit heute Morgen bauen sie vor meinem Haus einen #Scheiterhaufen

Der Medicus nickte langsam.

»Und was macht das mit Euch?«

Margarethe überlegte.

»Es beunruhigt mich.«

»Aha.«

Er schrieb etwas auf.

»Was schreibt Ihr da?«

»Innere Unruhe.«

»Natürlich bin ich unruhig. Man will mich verbrennen.«

»Das ist Eure #Interpretation

»Nein. Auf dem Schild am Scheiterhaufen steht: ›Verbrennung der Hexe Margarethe B., Donnerstag, nach der #Vesper.‹«

Der Medicus legte die Feder beiseite.

»Frau B., ich möchte Euch einmal einen anderen Gedanken anbieten.«

»Welchen?«

»Wir können die anderen Menschen nicht ändern.«

Margarethe sah ihn an.

»Aber sie wollen mich verbrennen.«

»Da seid Ihr schon wieder sehr stark bei den anderen.«

Der Medicus empfahl eine #Psychotherapie.

Die Wartezeit betrug 9 Monate.

Margarethe wies darauf hin, dass ihre #Verbrennung für Donnerstag vorgesehen sei.

Daraufhin erhielt sie einen Dringlichkeitscode.

So bekam sie bereits für Mittwoch einen Termin bei der Psychotherapeutin Adelheid von Achtsam.

Frau von Achtsam hatte ihre Praxis über einer Gerberei. An der Wand hing ein Holzschild: »Du bist genug«.

Daneben: »Jeder Weg beginnt in Dir«.

Margarethe berichtete von den Ereignissen.

Die #Therapeutin hörte aufmerksam zu.

Nach einer Weile fragte sie:

»Und welchen #Anteil habt Ihr daran?«

Margarethe glaubte, sich verhört zu haben.

»Woran?«

»An der Situation.«

»An meiner #Hexenverbrennung

»Ich würde zunächst nicht von einer Hexenverbrennung sprechen.«

»Warum nicht?«

»Weil #Begriffe #Wirklichkeit schaffen.«

»Sie haben bereits #Holz aufgeschichtet.«

»Seht Ihr? Ihr seid sofort wieder im #Außen

»Wo soll ich denn sonst sein? Der Scheiterhaufen steht draußen.«

Die Therapeutin lächelte verständnisvoll.

»Ich spüre bei Euch viel Widerstand.«

»Ja.«

»Woher kommt dieser Widerstand?«

»Ich will nicht verbrannt werden.«

Frau von Achtsam machte sich eine Notiz.

»Ihr reagiert gerade sehr emotional.«

»Natürlich!«

»Könnte es sein, dass diese #Emotionalität dazu beiträgt, dass andere Menschen #Schwierigkeiten mit Euch haben?«

Margarethe schwieg.

»Was steht da?«, fragte sie schließlich.

»#Impulsdurchbrüche

Am Nachmittag suchte Margarethe den #Pfarrer auf.

Sie erzählte ihm, dass im Dorf seit Monaten über sie geredet werde.

Die Müllerin grüße sie nicht mehr. Der Metzger bediene sie nicht. Beim Erntedankfest sei ihr Tisch plötzlich verschwunden. Der Kaufmann, mit dem sie 20 Jahre Geschäfte gemacht habe, wolle nichts mehr mit ihr zu tun haben.

Der Pfarrer runzelte die Stirn.

»Habt Ihr dafür Beweise?«

»Wofür?«

»Für diese sogenannte #Ausgrenzung

»Der #Metzger verkauft mir kein #Fleisch

»Vielleicht hatte er keines.«

»Er hat es der Frau hinter mir verkauft.«

»Vielleicht war es reserviert.«

»Der #Kaufmann spricht nicht mehr mit mir.«

»Menschen verändern sich.«

»Die Müllerin nennt mich #Satansbraut

»Habt Ihr das schriftlich?«

»Nein.«

Der Pfarrer lehnte sich zurück.

»Seht Ihr.«

»Was sehe ich?«

»Dass vieles auch #Wahrnehmung ist.«

Auf Empfehlung einer Nachbarin ging Margarethe anschließend zu einem ganzheitlichen #Lebensberater.

#Meister #Kunibert arbeitete mit Hildegardsteinen, germanischen Schwingungsrunen und energetisiertem Dinkel.

Er betrachtete Margarethe lange.

»Eure Hexenbeschuldigung kommt nicht von ungefähr.«

»Ach.«

»Das #Universum schickt uns keine Erfahrungen, für die wir nicht bereit sind.«

»Das Universum will mich verbrennen?«

»Ihr müsst verstehen: Alles ist #Resonanz

Er legte 3 Bergkristalle auf ihren Bauch.

»Wenn viele Menschen Euch ablehnen, solltet Ihr Euch fragen, was Ihr ausstrahlt.«

»Vielleicht Wärme? Ab Donnerstag vermutlich sogar sehr viel.«

Kunibert ignorierte das.

»Habt Ihr einmal versucht, den Menschen mit Liebe zu begegnen?«

»Dem #Henker

»Gerade ihm.«

Für 12 Silbertaler verkaufte er ihr anschließend einen Schutzstein.

Am Abend begegnete Margarethe auf dem Marktplatz ihrer Nachbarin #Gertrud.

»Du solltest vielleicht auch mal ein bisschen #selbstkritisch sein«, sagte Gertrud.

»Weshalb?«

»Na ja. Wenn ein Mensch sagt, du seist eine Hexe – gut. Wenn zwei das sagen – meinetwegen. Aber wenn das ganze Dorf es sagt?«

»Dann bin ich eine Hexe?«

»Das habe ich nicht gesagt.«

»Was hast du dann gesagt?«

»Dass es immer zwei Seiten gibt.«

»Welche zweite Seite gibt es bei der Frage, ob ich nachts auf einem #Besen zum #Blocksberg fliege?«

Gertrud zuckte mit den Schultern.

»Ich war nicht dabei.«

»Ich auch nicht.«

»Siehst du. Schon wieder wirst du aggressiv.«

Am nächsten Morgen erhielt Margarethe einen Termin beim #Sozialpsychiatrischen #Dienst des #Fürstbischofs.

Dort saßen 3 Menschen an einem Tisch.

Eine #Sozialarbeiterin.

Ein #Psychologe.

Ein Mann, dessen Funktion Margarethe nicht verstand, der aber während des gesamten Gesprächs bedeutungsvoll nickte.

»Frau B.«, begann die Sozialarbeiterin, »wir möchten heute nicht bewerten, ob Eure Wahrnehmung richtig oder falsch ist.«

»Sehr gut.«

»Uns interessiert vielmehr, wie Ihr damit umgehen könnt.«

»Indem die mich nicht verbrennen.«

Der Psychologe schüttelte freundlich den Kopf.

»Das wäre eine Veränderung im Außen.«

»Ja.«

»Darauf habt Ihr nur begrenzten Einfluss.«

»Deswegen bin ich hier.«

»Wir möchten mit Euch daran arbeiten, Eure eigenen Handlungsmöglichkeiten zu erkennen.«

Margarethe dachte nach.

»Flucht?«

Betretenes Schweigen.

»Das klingt«, sagte die Sozialarbeiterin vorsichtig, »nach Vermeidungsverhalten.«

Der Mann ohne erkennbare Funktion nickte.

Am Mittwochabend fand im #Wirtshaus eine #Bürgerversammlung statt.

Thema: »Miteinander statt gegeneinander – für eine starke Dorfgemeinschaft«.

Margarethe ging hin.

Der Bürgermeister eröffnete den Abend.

»Wir müssen wieder mehr miteinander reden statt übereinander.«

Margarethe hob die Hand.

»Gut. Warum erzählt Ihr seit Monaten, ich sei eine Hexe?«

Im Saal wurde es still.

Der Bürgermeister räusperte sich.

»Ich glaube nicht, dass #Schuldzuweisungen uns hier weiterbringen.«

»Ihr habt gestern meine #Verbrennung angeordnet.«

»Frau B., genau diese konfrontative Haltung erschwert natürlich den #Dialog

Einige Bürger nickten.

Der Bürgermeister fuhr fort:

»Wir müssen jetzt nach vorne schauen.«

»Morgen werde ich verbrannt.«

»Immer nur zurückzuschauen bringt uns nicht weiter.«

»Das ist morgen!«

»Bitte mäßigt Euch.«

Der #Dorfcoach, der für den Abend aus der Kreisstadt angereist war, griff ein.

»Vielleicht können wir einmal die Perspektive wechseln. Frau B., was müsste denn passieren, damit Ihr Euch wieder als Teil der #Dorfgemeinschaft fühlt?«

Margarethe starrte ihn an.

»Ihr könntet mich nicht verbrennen.«

Der Coach lächelte.

»Das ist jetzt sehr #defizitorientiert formuliert.«

Am Donnerstagmorgen holte der Henker Margarethe ab.

Er war ausgesprochen freundlich.

»Nichts Persönliches«, sagte er.

»Das beruhigt mich.«

»Ich mache nur meinen Beruf.«

»Natürlich.«

Auf dem Marktplatz hatten sich mehrere hundert Menschen versammelt.

Der Bürgermeister hielt eine kurze Rede über Toleranz.

Der Pfarrer sprach über Nächstenliebe.

Die Stadtverwaltung hatte eigens ein Banner aufgehängt:

»Vielfalt leben!«

Die #Gleichstellungsbeauftragte verteilte #Broschüren.

Der Lebensberater Kunibert verkaufte Schutzsteine.

Am Rand des Platzes stand Frau von Achtsam.

Margarethe erkannte ihre Therapeutin sofort.

»Frau von Achtsam!«

Die Therapeutin kam näher.

»Wie geht es Euch heute?«

Margarethe stand bereits auf dem Holzstoß.

»Wie soll es mir gehen?«

»Versucht einmal, nicht sofort zu bewerten.«

Der Henker legte Stroh um ihre Füße.

»Ich werde gleich verbrannt.«

»Das ist ein Gedanke.«

»Nein! Das ist #Stroh

»Margarethe, wir hatten doch über Eure #Impulsivität gesprochen.«

Der Henker nahm die Fackel.

Die Therapeutin sah Margarethe freundlich an.

»Denkt daran: Ihr könnt die anderen Menschen nicht ändern.«

Margarethe blickte auf den Bürgermeister, den Pfarrer, die Nachbarn, den Henker, den Dorfcoach, die Gleichstellungsbeauftragte und Meister Kunibert mit seinen Schutzsteinen.

Dann nickte sie.

»Da habt Ihr vermutlich recht.«

Frau von Achtsam lächelte zufrieden.

»Seht Ihr. Das ist Akzeptanz.«

Der Henker zündete das Stroh an.

Margarethe betrachtete die Flammen.

»Eine Frage hätte ich allerdings noch.«

»Natürlich.«

»Wenn ich mir das alles nur eingebildet habe – warum brennt es dann?«

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