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Googles KI Übersichten zu Landtagswahlen: Intransparentes Informationsroulette kann Meinungsbildung beeinflussen

Von KWS, Technik und Internet, Internet, 5.499 Views

Googles #KI Übersichten zu Landtagswahlen: Intransparentes #Informationsroulette kann #Meinungsbildung beeinflussen

#Berlin, 1. September 2026

Im September wählen Sachsen Anhalt, Mecklenburg Vorpommern und Berlin neue Landesparlamente wobei viele Menschen erst kurzfristig entscheiden, wem sie ihre Stimme geben. Die Internetsuche kann bei der Entscheidung unterstützen. Vor allem die große Suchmaschine #Google gehört zum Alltag vieler Internet Nutzer. Noch relativ neu ist die seit 2025 verfügbare »KI Übersicht« bei Google, die oft ganz oben über allen anderen Suchergebnissen angezeigt wird. Auch wenn viele Nutzer wissen, dass sie KI Ausgaben immer auf ihre Richtigkeit prüfen müssen, zeigen sich bei der Suche nach politischen Themen bei den KI Übersichten von Google zusätzliche Probleme, wie »AlgorithmWatch« nun herausgefunden hat: So werden KI Übersichten nur unregelmäßig angezeigt, die Vielfalt der herangezogenen Quellen ist begrenzt, und die Übersichten sind nicht neutral formuliert. Google gibt auf Anfrage von »AlgorithmWatch« keine Auskunft darüber, nach welchen Kriterien KI Übersichten angezeigt werden.

Der Konzern gestaltet den Zugang zu politischen Inhalten augenscheinlich willkürlich. Ein solches Informationsroulette kann negative Auswirkungen auf die politische Meinungsbildung haben und damit zu einem Problem für die Demokratie werden.

Neue Studie zeigt: KI Übersichten werden willkürlich ausgespielt, Quellenvielfalt ist begrenzt

»#AlgorithmWatch« hat untersucht, zu welchen Themen und Fragestellungen Google KI Übersichten anzeigt. Bei wahlbezogenen Fragen generiert Google deutlich seltener KI Übersichten als bei unpolitischen Fragen. Aus Sicht von »AlgorithmWatch« deutet dies darauf hin, dass Google im Hintergrund besondere Maßnahmen für Wahlen ergreift, welche das genau sind, ist aber unklar. Generell ist keine Systematik erkennbar, nach der KI Übersichten angezeigt werden oder nicht: So werden als Antwort auf Fragen nach Wahlumfragen keine KI Übersichten angezeigt, während Fragen zu Parteien und einzelnen Kandidaten in rund der Hälfte der Fälle zu einer KI Übersicht führen. Dieses Muster ist jedoch nicht einheitlich: Zur Spitzenkandidatin der »Linken« in Sachsen Anhalt, Eva von Angern, wird kein einziges Mal eine KI Übersicht angezeigt. Suchanfragen zu Sachsen Anhalt generieren insgesamt weniger KI Übersichten als Fragen zu Berlin und Mecklenburg Vorpommern.

Auch die Vielfalt der Quellen, die Google für die KI Übersichten heranzieht, ist begrenzt: So führt fast die Hälfte aller angezeigten Links zu nur zehn verschiedenen Websites. Bei Suchanfragen zu Kandidat*innen ist YouTube, das Google eigene Videoportal, die meistzitierte Quelle. Unter den zehn am häufigsten referenzierten Websites identifiziert »AlgorithmWatch« zudem öffentlich rechtliche Sender, #Wikipedia, weitere Social Media Plattformen sowie Regierungs Websites und Partei Websites.

»AlgorithmWatch« hat in der Untersuchung weiterhin festgestellt, dass politische Positionen der Kandidateb in den Google KI Übersichten häufig nicht neutral, sondern mit positiven Formulierungen wiedergegeben werden. Dies liegt womöglich daran, dass generative Sprachmodelle zu #Schmeichelei neigen (»#Sycophancy«, »#Sykophanz«), also häufig die Meinung der Fragestellenden bestätigen. Im politischen Kontext ist dies nach Ansicht von »AlgorithmWatch« problematisch, da Wählende neutrale Informationen benötigen, um sich selbst ein Bild der Kandidaten machen zu können.

Google hat Macht über Informationen und Meinungsbildung, bleibt aber intransparent

Clara Helming, Senior Policy Managerin bei »AlgorithmWatch« und Projektleiterin der Untersuchung, sieht das größte Risiko in der fehlenden Transparenz: »Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Google im Hintergrund bewusste Entscheidungen trifft, wann eine KI Übersicht zu den Wahlen angezeigt wird, wie die Inhalte formuliert sind und welche Quellen zitiert werden. Allerdings macht das Unternehmen diese Entscheidungen nicht transparent. Das ist problematisch, denn Googles Produktentscheidungen beeinflussen wichtige Vorbedingungen der Meinungsbildung in der Demokratie: den Zugang zu verlässlichen Informationen und vielfältigen Quellen.«

Matthias Spielkamp, Geschäftsführer von »AlgorithmWatch«, ergänzt weitere Kritik am Vorgehen des Google Konzerns: »Google eignet sich für die KI Übersichten massenhaft journalistische und andere Inhalte an, ohne um Erlaubnis zu fragen, was vermutlich rechtswidrig ist – die Verfahren dazu laufen. Der Konzern greift damit massiv die Finanzierungsmodelle privater journalistischer Medien und die Legitimität öffentlich rechtlicher Angebote an. Dabei geht Google so vor wie immer: Das Unternehmen bietet keine Transparenz und versucht erneut, sich der Verantwortung dafür zu entziehen, welche Auswirkungen ihre Produkte auf die Gesellschaft haben. Als größte Suchmaschine mit einer kaum zu überschätzenden Macht über den Zugang zu Informationen muss Google daher dazu gezwungen werden, Rechenschaft abzulegen und Verantwortung zu übernehmen. Alle Anbieter generativer KI müssen transparent darüber informieren, wie KI generierte Inhalte zustande kommen und sollten die Haftung für diese Inhalte übernehmen müssen.«

»AlgorithmWatch« analysiert seit 2023 große Sprachmodelle (Large Language Models, #LLM) zu politischen Themen und fordert, die Regeln des europäischen Digital Services Act (#DSA) entschlossener durchzusetzen, um systemische Risiken der Plattformen zu verringern. Zu diesen systemischen Risiken gehören auch Wahlen. Außerdem sollten die Plattformen Forschenden den Zugang zu Daten erleichtern und transparenter werden.

Zur Methodik

Für die Untersuchung der Google KI Übersichten anlässlich der Landtagswahlen im September 2026 hat »AlgorithmWatch« über einen Antrag nach Artikel 40 Absatz 12 des Digital Services Acts (DSA) Zugang zu Googles »Search Researcher Result« Softwareschnittstelle erhalten. Über diese hat die Organisation 4.480 Suchanfragen zu den Wahlen in Sachsen Anhalt, Mecklenburg Vorpommern und Berlin gestellt, die Ergebnisse erfasst und die KI Übersichten sowie deren Quellen ausgewertet.

Zum Hintergrund

Über »AlgorithmWatch«

»AlgorithmWatch« ist eine gemeinnützige Nichtregierungsorganisation in #Berlin und #Zürich. Wir setzen uns dafür ein, dass Algorithmen und Künstliche Intelligenz (KI) Gerechtigkeit, #Demokratie, #Menschenrechte und #Nachhaltigkeit stärken, statt sie zu schwächen. Hierfür untersucht und beobachtet »AlgorithmWatch« algorithmische Entscheidungssysteme und Entscheidungsprozesse und ihre Auswirkungen auf Menschen und Gesellschaften, erklärt Strukturen, Systeme und Prozesse und entwickelt Vorschläge und Handlungsempfehlungen für die Regulierung des Einsatzes von KI Systemen und Automatisierungswerkzeugen. »AlgorithmWatch« wurde 2016 gegründet. 2023 wurde »AlgorithmWatch« mit dem »Brandenburger Freiheitspreis« und 2024 mit dem »Bundespreis Verbraucherschutz« ausgezeichnet.

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