Von KWS, Kunst und Kultur, Oper, 2.533 Views
»Sirene Operntheater«: »Der schwedische Reiter« – Welturaufführung in #Wien
#Wien, 23. August 2026
»Der schwedische Reiter« von Leo Perutz verbindet eine spannende Geschichte wie ein gross angelegtes, filmisches #Epos zwischen #Krieg, #Ökonomie und #Gesellschaftsordnung mit einer metaphysischen Deutung von #Schuld und #Sühne.
Zwei Verfolgte, ein Dieb und ein Deserteur, tauschen am Tiefpunkt ihres Lebens ihre Identität. Der Dieb pokert hoch und gewinnt alles. Doch die #Lügen und #Verbrechen auf seinem Weg holen ihn ein. Nach zehn Jahren treffen sich die Beiden wieder. Und wieder tauschen sie die Identität, doch ihr Schicksal ist so eng verknüpft, dass der Tod sie im selben Moment trifft, den einen als Held, den anderen als Niemand.
Die Frage nach Identität und der Sehnsucht nach einem radikalen Lebenswechsel ist in der krisengeplagten Welt von 2026 aktueller denn je. Der Identitätstausch der beiden Protagonisten spiegelt moderne Flucht und Überlebenskämpfe in Zeiten von Krieg und sozialer Ungleichheit wider. Perutz’ Parabel zeigt auf beklemmende Weise, wie ökonomischer Aufstieg oft auf moralischen Kompromissen basiert – und dass niemand der Verantwortung für das eigene Handeln entkommen kann.
Perutz nutzt das historische Setting im Jahre 1936 ausserdem als metaphorische Folie, um existenzielle Verlorenheit, Ausweglosigkeit angesichts der drakonischen Härte der Justiz und der Arbeitslager und eine unerbitterliche Dynamik des Schicksals darzustellen. Kurz danach emigrierte er nach #Palästina.
Das »#Sirene #Operntheater« wurde im Jahr 1998 in Wien als freie Musiktheaterkompanie gegründet und gilt heute als eines der wichtigsten Foren für zeitgenössische Oper in Österreich. Die Entstehung der Initiative geht auf die intensive künstlerische Zusammenarbeit der Autorin und Regisseurin Kristine Tornquist und des Komponisten Jury Everhartz zurück. Ursprünglich als Plattform zur Verwirklichung eigener Stücke und zur Erprobung neuer Formen gestartet, agiert das Ensemble seit 2002 offiziell unter dem heutigen Namen. Seit den Anfängen zeichnet sich die #Kompanie dadurch aus, dass die künstlerische Leitung gleichzeitig die organisatorische Verantwortung trägt, was kurze Wege und unkonventionelle ästhetische Experimente abseits des klassischen Opernbetriebs ermöglicht.
Das zentrale Fundament des Ensembles ist sein radikaler Fokus auf zeitgenössische Werke, innovative Neubestimmungen des Genres und das systematische Initiieren von Auftragswerken. Bis 2026 brachte sirene im Zuge von 38 Projektreihen rund 90 Musiktheaterwerke zur Aufführung, wobei es sich fast ausnahmslos um Uraufführungen handelte. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der engen, gleichwertigen Kooperation mit zeitgenössischen österreichischen Komponistinnen, Autoren und Bildenden Künstlern. Die Projekte sind dabei hochambitioniert; so realisierte die Truppe beispielsweise Zyklen wie »Die Verbesserung der Welt«, bei dem sieben neue Kammeropern im Abstand von jeweils nur 2 Wochen uraufgeführt wurden.
Zu den jüngeren Erfolgen zählen die gefeierten Produktionen »Die Puppe« (2024), die Tragikomödie Abendsonne (2025) im Rahmen von Wien Modern und die große Opern Uraufführung Der schwedische Reiter (November 2026) nach Leo Perutz. Neben Bühnenprojekten wagt das Ensemble auch mediale Grenzgänge, wie die Umsetzung der Kammeroper Die Verwechslung als frei zugänglicher Kinofilm zeigt.
Konzeptionell versteht sich das sirene Operntheater als wanderndes Ensemble ohne feste Spielstätte. Die Kompanie bespielt im Wiener Raum flexibel sowohl etablierte Kulturinstitutionen wie die Wiener Kammeroper oder das Semper Depot als auch ungewöhnliche, oft zweckentfremdete Orte. Legendär sind ihre wiederkehrenden Produktionen im historischen Jugendstiltheater am Steinhof (Otto Wagner Areal), Inszenierungen im Planetarium sowie ortsspezifische Raum Aufführungen wie »Die Reise«, bei der das Publikum die Darsteller durch elf verschiedene Zimmer eines ehemaligen Postamtes begleitete. Über die regionalen Grenzen hinaus erlangte die Wiener Off Theater Gruppe internationale Anerkennung. Neben Einladungen zu Festivals wie der Musikbiennale Zagreb oder dem Carinthischen Sommer gastierte das Ensemble erfolgreich an renommierten Staatshäusern, darunter die Ägyptische Staatsoper in Kairo und die Griechische Staatsoper in Athen.
Die wegweisende Arbeit der Gruppe spiegelt sich auch in bedeutenden Auszeichnungen wider. Das sirene Operntheater wurde mehrfach mit dem renommierten Österreichischen Musiktheaterpreis gewürdigt. Bereits 2017 erhielt es die Auszeichnung als »Bestes Off Theater Österreichs«, gefolgt von einem weiteren Preis für die international beachtete Produktion »Chodorkowski«. Im Jahr 2024 wurde das Ensemble für die Oper »Kabbala« erneut prämiert und behauptete sich damit als einzige freie Gruppe Österreichs, die diese Ehrung ein zweites Mal entgegennehmen durfte. Mit kontinuierlichen Nominierungen – wie auch im Jahr 2025 – bleibt sirene eine treibende und unverzichtbare Kraft für die Weiterentwicklung des modernen Musiktheaters. Mehr …
21. November 2026, 22. November 2026, 23. November 2026, 24. November 2026, 25. November 2026, 26. November 2026, 27. November 2026, jeweils um 19.30 Uhr, 110 Minuten, eine Pause, #Jugendstiltheater, Baumgartner Höhe 1, 1140 Wien. Theaterbar geöffnet, eine »Sirene« Produktion in Zusammenarbeit mit dem »Viva la Classica!« Festival »Fremde Erde« …
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