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Sieben Jahre Phasenschieber Blankenhagen – eine Chronik

Von Birgit Brüggehofe, Karla-Wagner-Stiftung, KWS History, 5.160 Views

Sieben Jahre #Phasenschieber #Blankenhagen – eine Chronik

#Gütersloh, 21. Juli 2026

»Das ist uns egal«, antwortet Michael Weber. Auf dem Tisch im #Parkhotel Gütersloh kühle Getränke, viel Infopapier, sogar Spielzeug für die Kleinsten. Dem #Amprion Pressesprecher ist es egal, ob die Menschen in Blankenhagen den Phasenschieber nicht wollen. Was treibt der Netzbetreiber da? Eine Chronologie.

Blankenhagen hat keine #Lobby

Blankenhagen, Güterslohs #Stiefkind, ist Stadt, Kreis und Politik egal, so scheint es. Also Augen zu und durch. Auch wenn das Stoppschild inzwischen überlebensgroß ist und alle Ampeln auf Rot stehen. Die Lebensqualität eines Stadtteils von 3.700 Menschen steht auf dem Spiel? Egal. Blankenhagen hat keine Lobby, keinen #Arzt, keine #Apotheke, keine #Polizeiwache und noch nicht mal einen #Geldautomaten. Einzig der »#Combi #Markt« hält tapfer die Stellung als Versorgungspunkt.

Zur Nachahmung empfohlen? Oder: Was lange währt

Amprions Wille ist Gesetz: Das Projekt Phasenschieber Ostwestfalen – 12 Fußballfelder groß und im #Wohngebiet und #Landschaftsschutzgebiet – könnte einen bundesweiten Präzidenzfall schaffen. Doch der Reihe nach: Als bekannt wird, dass einer der Suchräume Blankenhagen heißt, ist das Projekt längst fertig entwickelt. Schon 2019 taucht der Vermerk P410/M624 im #Netzentwicklungsplan (#NEP) 2030 auf, damals Etikett für #Querregeltransformatoren in Enniger. Im Juni 2022 knallen bei Amprion die Sektkorken: Die #Bundesnetzagentur genehmigt die Investitionsmaßnahme für NEP 2030 v2019 P410/M624 Phasenschieber 186 – nach Jahren Vorlauf voller Netzsimulationen, Wirtschaftlichkeitsnachweisen, technischen Konzepten und Kostenschätzungen. Jetzt werden Suchräume festgelegt, Flächenbedarfe ermittelt – und Umweltkartierungen und Behördengespräche vorbereitet.

Das gibt‘s doch: #Bielefeld sagt nein

Bemerkenswert: Von Genehmigung bis offizieller Kundgabe der Planungen im März 2023 ließ Amprion ganze neun Monate verstreichen. Dass das Unternehmen das Projekt als Ad hoc Maßnahme im Netzentwicklungsplan 2023 bezeichnet, beweist jedoch, dass der Phasenschieber schon lange Teil der Netzplanung war. Im Sommer 2023 starten Kartierungen und Eigentümer Gespräche.

Nur im Kreis Gütersloh?

Aufgepasst, denn Holtkamp, Filetstück des Suchraums Hollen Holtkamp Ströhen, gehört zu Bielefeld. Kartierungs Ratsunterlagen von August 2023 weisen etliche Flurstücke in der Gemarkung Holtkamp aus. Nicht mit uns, heißt es dort: Im November 2023 richtet sich ein NABU unterfütterter Bürgerantrag an den Kreis Gütersloh. Amprion bittet die Bezirksregierung Detmold, die drei Suchräume von Windkraft freizuhalten – und präsentiert diese im Januar 2024 dem Bielefelder Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz. Während der Naturschutzbeirat Gütersloh noch bis März 2024 darauf wartet. Da ist man in Bielefeld längst weiter: Am 27. Juni 2024 fordert der Rat der Stadt in gemeinsamer Resolution, Hollen Holtkamp Ströhen nicht weiter zu verfolgen. Glückliches Bielefeld – die Stadt ist Naturschutzbehörde und Planungsbehörde.

Grundstücksverfügbarkeit als Kriterium

Juckt uns nicht! Im Januar 2025 verkündet Amprion, alle 3 Suchräume trotzdem weiter zu prüfen. Ja, so Amprion, wir wissen, dass Einschränkungen gegen bestimmte Suchräume sprechen – wie Wohnbebauung und #Biotope in Halle, Naturschutzgebiete und Wohnbebauung in #Holtkamp #Ströhen – und die Nähe zur Wohnbebauung in Blankenhagen. Als technisch geeignet galten jedoch alle 3! Dass das verfügbare Grundstück Blankenhagens Charme ausmachte, ist kein Geheimnis. Der Rest bleibt im Dunkeln, wie: Wann wurde die Grundstücksverfügbarkeit pro Suchraum exakt festgestellt? Wie dieses Kriterium gegenüber Naturschutzbelangen, Umweltschutzbelangen und Siedlungsbelangen gewichtet? Gab diese Grundstücksverfügbarkeit den Ausschlag, weil der Eigentümer als Besitzer von Flächen auf dem Ströhen dort nicht verkaufen wollte? Und so weiter und so fort …

Überraschung! Phasenschieber kommt nach Blankenhagen

2025/2026 wird P410/M624 offiziell Bestandteil des Netzentwicklungsplans 2037/2045. Güterslohs Baudezernent ist verschnupft: Amprion habe die Stadt nicht in Gespräche und Abstimmungen einbezogen, sondern lediglich am 4. September 2025 zur Standortentscheidung in Kenntnis gesetzt, wozu die Stadt die Politik am 9. September 2025 informiert habe. Phasenschieber in Blankenhagen? Das erfuhr die Öffentlichkeit erst mit Stichtag 17. September 2025. Nach der Kommunalwahl, bei der sich der Landwirt, der vom Verkauf an Amprion profitiert, mit den Stimmen der Menschen ins Amt wählen ließ, die demnächst unter den Folgen der Standortwahl ächzen werden. Für ein Misstrauensvotum ist es zu spät – Frist abgelaufen. 

Blankenhagen längst im Widerstandsmodus

Die Marschrichtung ist klar: 1.Verhindern – 2. Verzögern – 3. Verhandeln. Im Dezember 2025 erreicht eine entsprechende Eingabe der Linkspartei den Ausschuss – und eine Bürgeranfrage Bürgermeister Trepper. Abgeschmettert, denn die Antwort heißt: Fragen Sie Amprion, Michael Weber. Was die Sprecherin der Sozialraum AG Blankenhagen tut: Keine Reaktion, nicht einmal eine Lesebestätigung. Der Widerstand nimmt sichtbar Fahrt auf, Flyer kursieren, Trommeln am »Combi Markt« in eisiger Kälte, große Banner an Blankenhagener Weg und Bürgerwald informieren über das geplante Monstrum. Pressemitteilung um Pressemitteilung geht raus, Lokalpresse von »#Glocke« bis »Neue Westfälische«, »Radio Gütersloh« bis #WDR, von #Print, #TV und #Online mit teils fünfstelligen Aufrufzahlen berichten regelmäßig zum Phasenschieber.

#Bauantrag noch 2026 erwartet

Februar 2026: Der Umweltausschuss des Kreises befasst sich auf Antrag der »Linken« mit Blankenhagen. Vor dem Kreishaus tobt der Protest – und drinnen sitzen Entscheider der Abteilung Immissionsschutz mit der Bürgerinitiative im Publikum. Ja, erfährt die Bürgerinitiative kurz darauf, ein Verfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung sei prinzipiell möglich. Man halte auch die Ohren Richtung Detmold offen. No Way, sagt Amprion, das die Anlage im nichtöffentlichen Verfahren durchdrücken will. Der Bauantrag wird für das dritte oder vierte Quartal 2026 erwartet, erster Spatenstich soll Anfang 2028 sein, die Fertigstellung 2032. Der Countdown läuft: An die 2.500 Unterschriften und zahlreiche Einwendungen Betroffener warten darauf, dem Kreis Gütersloh, Abteilung Immissionsschutz, nach Antragseingang zur Prüfung übergeben zu werden.

Was tun bis dahin? Blankenhagen zeigt Präsenz

Wie beim Amprion Bürgerinfomarkt im Parkhotel Gütersloh. Die Klemmbretter mit Fragen im Anschlag, rückt man auch dem Verkäufer des Grundstücks auf die Pelle. Der meint lakonisch, man müsse nun sehen, was man aus der Situation mache. Kurz darauf werden brütende #Kiebitze, #Feldlerchen und #Silberreiher dort gesichtet, wo der Phasenschieber bald die Natur versiegeln soll. Vertreter des GNU, der offizielle Stellungnahmen abgeben kann, werden kontaktiert, man leiht ein Ohr, dann auch hier Schweigen. Derweil führt Amprion Interessierte über das Gelände am Umspannwerk Blankenhagen. Doch der WDR Beitrag dazu schockiert: Alle Teilnehmer der Führungen sind pro Phasenschieber, so die Behauptung! Sprachlosigkeit, Wut, Unverständnis.

10 Bürgerfragen an die Fraktionen der Stadt

Es wird März 2026. Die Sprecherin der Sozialraum AG fordert die Stadt auf, sich mehr für Blankenhagen zu positionieren, auch wenn dies eher moralische als juristische Funktion habe. Als die Phasenschieber Einwendungen an den #BUND gehen, tut sich auch hier nichts. Vielleicht, weil der BUND die Piepmätze im Suchraum Ströhen priorisiert? Nichts Genaues weiß man (immer noch) nicht. Also werden 10 Bürgerfragen zur Standortwahl an alle Fraktionen verschickt. Darunter: Welche 3 Suchräume hat Amprion geprüft, wo kann jeder Bürger diese Prüfergebnisse selbst nachlesen? Oder auch: Welche Maßnahmen ergreift Amprion zur Sicherheit der ans Wohngebiet anschließenden Großanlage, etwa gegen (Brand)Anschläge auf kritische #Infrastruktur? Einzig die »Linke« positioniert sich bei der nächsten Sitzung des Ausschusses für #Planen, #Bauen und #Immobilien (APBI) gegen den Phasenschieber, die »AFD« äußert sich gar nicht zu den Fragen.

Blankenhagen einig: Die Sache stinkt!

Mehrere Zeugen wollen wissen: Der Eigentümer hat schon 2023 mit dem Amprion Deal geprahlt – Korruption? Das durch Amprion versprochene transparente Verfahren? Lippenbekenntnisse. Die Bürgerinitiative verlangt Antworten – und stellt einen offiziellen Antrag nach Umweltinformationsgesetz (UIG/UIG NRW) beim Kreis Gütersloh, Abteilung Immissionsschutz. Abgelehnt – wir haben hier nichts. Was, auch keine projektbezogenen Notizen, keine Vorplanungen, kein Schriftverkehr? Falls das stimmt, ist die Ablehnung nach Paragraph 5 UIG zu begründen sowie Rechtsbehelfe zu nennen. Zwar gilt das UIG schon vor dem Genehmigungsverfahren, aber es heißt: Bitte warten, bis der Bauantrag da ist. Eine Reaktion, die inzwischen Mantra Charakter entwickelt.

Keine Zeit – Bürgerinitiative nicht informiert

Dann trifft die Bürgerinitiative den Baudezernenten, fordert die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) des Projekts 410 beziehungsweise die Maßnahme M624 des NEP aufgrund der Nähe zu den Siedlungsflächen und der Projektgröße sowie ein Genehmigungsverfahren gemäß Paragraph 10 »#BImSchG« mit Öffentlichkeitsbeteiligung. Am 20. Mai für 17 Uhr zur Forderungsübergabe ins #Rathaus geladen, werden die Blankenhagener von der Veröffentlichung des Maßnahmenkatalogs wenige Stunden vor dem Gespräch mit der Stadt überrascht. Wie das? Zeitdruck durch Amprion, so die Begründung. Aber, so der Baudezernent, »Blankenhagen ist der Stadt nicht egal  und wir sind nicht Ihr Gegner«. Und auch hier wieder das Mantra: Sobald der Bauantrag eingehe, werde man Blankenhagen erneut zum Gespräch bitten. 

Das kann doch alles nicht wahr sein!

Jetzt werden Landrätin und Regierungspräsidentin Bölling – als fachaufsichtliche Naturschutzbehörde und Bauaufsicht über den Kreis Gütersloh – mit der Forderung nach einem öffentlichen Genehmigungsverfahren persönlich adressiert, ein Antrag auf Auskunft nach #Informationsfreiheitsgesetz (IFG) integriert. Die Landrätin lässt durch den Kreis antworten, man werde Amprion um ein öffentliches Verfahren bitten. Bölling schickt eine Lesebestätigung, sonst nichts, nach Monaten. Der Antrag auf Auskunft nach IFG wird schlicht ignoriert.

Wünsch dir was! Was die Stadt von Amprion will

Okay, moniert die Stadt, der Prozess der Standortfindung seit 2023 sei unklar geblieben – so die öffentliche Beschlussvorlage für den 2. Juni 2026 im APBI. Aber der Phasenschieber kommt! Eine Mehrheit im Rat hat Amprion eine Liste an Wohltaten für Blankenhagen vorgelegt, namens 17 Maßnahmen Katalog Nummer 184/2026. Streuobstwiesen, Bürgerpark, neue Umkleidekabinen für den #Sportplatz und mehr stecken drin. Im Tausch gegen ein belastendes Großprojekt neben Wohnbebauung, Schrebergärten und Kitas. Der im #Masterplan »Grün + Freiraum« vorgesehene Landschaftspark Blankenhagen steht vor dem Aus? Egal. Übrigens hat auch die Sozialraum AG den Verantwortlichen der Stadt ein umfangreiches Positionspapier zum Thema Kinderschutz und Jugendschutz im Kontext des Phasenschieber Projekts in der Nähe mehrerer Kindertagesstätten vorgelegt. Entsprechend gespannt wurde die Sitzung des Jugendhilfeausschusses durch die Zuhörenden auf der Tribüne verfolgt. Doch nichts dazu, das Papier wurde nicht diskutiert. Vielleicht kommt da noch was?

Phasenschieber verträglich gestalten? Geht gar nicht

Inzwischen ist die Bürgerinitiative mit einem Verwaltungsrechtler im Gespräch. Dessen Einschätzung: Hier muss #Europarecht ran, das Öffentlichkeitsbeteiligung hier grundsätzlich vorsieht! Und der Landtag NRW sollte adressiert werden, statt weiter vor Ort gegen Wände zu rennen. Die Bürgerinitiative Blankenhagen ist inzwischen breit aufgestellt, mehr geht kaum – ob Open Petition, #Crowdfunding, #Bürgerverein oder Social Media. Unermüdlich sammelt man Unterschriften und Geld und steckt Flyer in Briefkästen. Damit auch der Letzte kapiert, was ihn oder sie in Blankenhagen in Kürze erwartet.

Appell: Bitte Kräfte bündeln!

Laut Immissionsschutzbehörde wird der Phasenschieber Nummer 1.8 des Anhangs 1 zur 4. »BImSchV« (Verordnung über genehmigungsbedürftige Anlagen) zugeordnet. Was bedeutet: Amprion entscheidet nach Gutsherrenart, ob die Öffentlichkeit bei einem Großprojekt mitten im Wohngebiet und wertvoller Landschaft einfach draußen bleibt.

Liebe Stadt Gütersloh, lieber Kreis, liebe Bezirksregierung: Verantwortliche und gewählte Volksvertreter, die ihrer durch die Menschen übertragenen Verantwortung gerecht werden, handeln anders. Setzen Sie sich mit geballten Kräften für ein öffentliches Genehmigungsverfahren ein – jetzt!

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