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Foto: Laurin Gutwin

»Katapult« schließt: Berlin verliert einen wichtigen Produktionsort für zeitgenössischen Zirkus

Von KWS, Kunst und Kultur, Zirkus, 3.799 Views

»Katapult« schließt: #Berlin verliert einen wichtigen Produktionsort für zeitgenössischen #Zirkus

#Belrin, 21. Juli 2026

Nach 10 Jahren stellt der unabhängige Produktionsort »Katapult« seinen Betrieb zum 31. Dezember 2026 ein. Mit der Schließung verliert Berlin einen der wenigen speziell für den zeitgenössischen Zirkus ausgestatteten Arbeitsorte und Probenorte. Trotz erfolgreicher Arbeit, hohem Bedarf nach Proberäumen für freie darstellende Künste und wiederholter öffentlicher Förderung sehen die Betreiber, Mee Pinchbeck GBR, keine andere Möglichkeit, als den Standort zu schließen.

Seit der Gründung in 2016 hat »Katapult« lokalen und internationalen Künstler:innen professionelle Räume für die Entwicklung und Erprobung neuer Bühnenproduktionen geboten. Der Produktionsort hat sich als wichtiger Bestandteil der Freien Darstellenden Künste in Berlin etabliert und leistet insbesondere für den zeitgenössischen Zirkus einen wesentlichen Beitrag zur kulturellen Infrastruktur der Stadt.

Bewusste Entscheidung gegen ein unkalkulierbares Risiko

»Die Entscheidung zur Schließung ist eine bewusste Entscheidung. Es gibt keine Möglichkeit, den Betrieb fortzusetzen, ohne dabei ein großes finanzielles Risiko einzugehen«, sagt Oliver Pinchbeck, Mitgründer von »Katapult«.

Seit 2018 erhält der Produktionsort subventionelle Unterstützung durch unterschiedliche Projektförderungen der Senatsverwaltung für #Kultur und Gesellschaftlichen #Zusammenhalt. Zwar erhielt der Produktionsort im Rahmen der einjährigen Förderung für Produktionsorte zuletzt höhere Fördermittel als im Vorjahr zur Abfederung von Inflation und steigender Mietpreise, dennoch haben die Kürzungen des Berliner Kulturetats und insbesondere die kurzfristige Einstellung des Programms »Kulturraum Kontingente« Ende 2024 die Kulturlandschaft und prekäre Arbeitssituation der Nutzenden der freien Szene stark beeinflusst.

Eine Erhebung des Circus Hub Berlin aus dem Jahr 2025 zur Situation der Berliner Zirkusszene, sowie die zuletzt veröffentlichten Zahlen der Künstlersozialkasse, nach denen Darstellende Künstler durchschnittlich lediglich 22.733 Euro Jahreseinkommen erzielen, verdeutlichen die prekäre Lebenssituation und Arbeitssituation vieler Kunstschaffender.

Inflation, steigende Lebenshaltungskosten und Kürzungen im Kulturbereich führen dazu, dass weniger Produktionen realisiert werden können. »Trotz des hohen Raumbedarfs und unveränderter Mietpreise bei »Katapult seit 2018 beobachten wir einen Rückgang der Raumauslastung – ganz besonders seit Wegfall des Kulturräume Kontingente Programms, ein Programm zur strukturellen Sicherung von Kulturräume Berlin«, sagt Kerstin Oschabnig.

Strukturelle Probleme bleiben ungelöst

Neben den finanziellen Rahmenbedingungen sehen die Betreiber auch strukturelle Defizite.

»Darüber hinaus stellen wir fest, dass die administrative Seite der künstlerischen Arbeit in Deutschland von den zuständigen Behörden unterbewertet und weitgehend nicht anerkannt wird. Dies zeigt sich daran, dass man sich als Kulturverwalter nicht bei der Künstlersozialkasse anmelden kann und dass es keine Empfehlungen zu Honoraruntergrenzen für den administrativen Teil der Arbeit gibt«, so Oliver Pinchbeck.

»Zudem erschwert der einjährige Förderzyklus eine strategische langfristige Planung«, erklärt Declan Mee, Mitgründer der Mee Pinchbeck GBR.

Ein Appell für eine nachhaltige Kulturinfrastruktur

Die Betreiber von »Katapult« betonen, dass die Schließung nicht als Ausdruck mangelnder Nachfrage verstanden werden dürfe. Im Gegenteil: Der Bedarf an bezahlbaren Produktionsräumen und Arbeitsräumen für die freie Szene wächst aufgrund fortschreitender Verdrängungsprozesse kontinuierlich. Eine langfristige Sicherung kultureller Infrastruktur, und im Besonderen von Produktionsorte für den zeitgenössischen Zirkus, bleibt deshalb eine zentrale kulturpolitische Aufgabe.

»Wir sind fest vom Wert kultureller Räume und der Arbeit des zeitgenössischen Zirkus überzeugt und glauben, dass die Menschen, die solche Räume organisieren, Anspruch auf die gleichen Bedingungen haben sollten wie diejenigen, die sie nutzen«, meint Declan Mee.

»Wir hätten gerne weitergemacht … offenbleibt, wie sich die Zukunft der freien Zirkusszene in Berlin gestaltet«, sagte Luana Yázigi.

Mit der Schließung von »Katapult« zum 31. Dezember 2026 verliert die Berliner Szene für darstellende Künste und zeitgenössischen Zirkus einen zentralen Produktionsort. Der Fall steht exemplarisch für die Frage, wie es um die langfristige Sicherung kultureller Infrastruktur in Berlin bestellt ist – und welchen Stellenwert Produktionsorte und Räume kultureller Teilhabe in den kommenden Jahren haben werden.

Mee Pinchbeck GBR

»Katapult« ist ein unabhängiger Produktionsort für Performer im Bereich der Darstellenden Künste, mit Fokus auf zeitgenössischen Zirkus und #Tanz. Die Räumlichkeiten werden von Artisten für Artisten geleitet und fungieren als Produktionsort und Trainingsort für freischaffende Künstler. In »Katapult« werden interdisziplinäre Bühnenstücke entwickelt, die mit Disziplinen wie #Jonglage, #Tanz, #Clownerie, physisches #Theater, #Akrobatik, #Livemusik und #Luftartistik arbeiten. Außerdem werden Netzwerktreffen und Work in Progress Showings organisiert. Mehr …

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