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Foto: Álvaro Serrano

Leserbrief: Wir lieben Gütersloh ❤️

Von KWS, Kunst und Kultur, Leserbriefe42 Views

Leserbrief: Wir lieben Gütersloh ❤️

#Gütersloh, 30. September 2026

Es gibt 99 Gründe, sich über #Gütersloh zu beschweren. Aber offenbar keinen einzigen, damit sich etwas ändert.

Im Gütersloher #Rathaus wird gerne von Prozessen gesprochen. Und Politik in Gütersloh funktioniert schließlich nach einem bewährten Prinzip:

Erst wird geredet. Dann beraten. Dann wird eine Arbeitsgruppe gegründet. Danach braucht es ein Konzept. Für das Konzept braucht es womöglich externe Begleitung. Es wird analysiert und präsentiert. Anschließend diskutiert man über die Ergebnisse.

Und wenn danach noch immer nicht viel zu sehen ist, heißt es: »Es ist ein Prozess.«

Okay.

Ein Prozess.

Nur leider einer, der manchmal verdächtig nach Endlosschleife aussieht.

Dabei mangelt es keineswegs an Erkenntnissen darüber, was sich die Gütersloher für ihre Innenstadt wünschen.

Schon 2022 gab es eine Online Befragung zur Gütersloher #Innenstadt. Damals wollte man unter anderem wissen: Was fehlt? Die Ergebnisse sollten in das Zentrenmanagement und konkrete Projekte einfließen.

2024 wurde wieder gefragt.

Gütersloh beteiligte sich an der Untersuchung »Vitale Innenstädte« des IFH Köln. Das Ergebnis war erstaunlich konkret:

Leerstände reduzieren. Mehr öffentliche #Toiletten. #Fußgängerzonen und #Plätze attraktiver gestalten. Den #ÖPNV verbessern. Mehr Angebote für #Kinder und #Jugendliche schaffen.

Man muss es der Untersuchung lassen: Sie hat Dinge herausgefunden, die vermutlich auch viele Gütersloher beim ersten Bier hätten aufzählen können.

Aber gut.

Einer ist schneller, einer gründlicher.

Nun schreiben wir das Jahr 2026.

Und was machen wir?

Wir fragen wieder.

Gütersloh beteiligt sich erneut an »Vitale Innenstädte«. Das ist zwar eine bundesweite Untersuchung, die regelmäßig stattfindet und Vergleichsdaten zwischen den Städten ermöglicht.

Nur drängt sich aus Gütersloher Perspektive inzwischen eine andere Frage auf:

Wie oft müssen wir eigentlich noch herausfinden, was wir längst wissen?

Vielleicht wünschen sich die Gütersloher diesmal plötzlich keine Toiletten mehr.

Vielleicht sind Leerstände inzwischen das neue Stadtbild.

Vielleicht fährt der ÖPNV mittlerweile so hervorragend, dass niemand mehr darüber reden möchte.

Und vielleicht haben Kinder und Jugendliche inzwischen beschlossen, dass Freizeitangebote ohnehin völlig überbewertet werden.

Man weiß es nicht.

Deshalb muss man fragen.

Noch einmal.

Das eigentlich Interessante ist nämlich nicht, dass Gütersloh Befragungen durchführt. Bürger zu fragen ist richtig. Entwicklungen über mehrere Jahre zu vergleichen ebenfalls.

Interessant wird es dort, wo aus Erkenntnissen irgendwann Handlungen werden sollen.

Denn inzwischen haben wir ziemlich viel:

Wir haben Befragungen.

Wir haben Ergebnisse.

Wir haben Konzepte.

Wir haben Zentrenmanagement.

Wir haben Veranstaltungen.

Wir haben Beteiligungsformate.

Wir haben Präsentationen.

Und wir haben Prozesse.

Was könnte da noch fehlen?

Vielleicht die Umsetzung.

Aber das wäre jetzt wirklich pessimistisch.

Schließlich hat Gütersloh Erfahrung mit modern klingenden Konzepten und ambitionierten Ankündigungen.

Alte Ideen bekommen neue Namen. Aus »Wir machen etwas« wird ein »strategischer Entwicklungsprozess«. Aus einem Problem wird ein »Handlungsfeld«. Und wenn man lange genug darüber spricht, kann man irgendwann sogar untersuchen, wie sich das Handlungsfeld seit der letzten Untersuchung entwickelt hat.

Gütersloh braucht vermutlich gar nicht so dringend neue Ideen.

Und Gütersloh braucht auch nicht zwingend noch eine weitere Liste dessen, was die Bürger gerne hätten.

Gütersloh braucht vor allem Menschen, die anfangen, die längst bekannten Probleme zu lösen.

Das ist natürlich nur eine gewagte These.

Vielleicht sollten wir dazu erst einmal eine Umfrage machen.

Am besten mit externer Begleitung.

Vielleicht aus #Köln.

Mit anschließender #Präsentation.

Und wenn wir danach noch eine Arbeitsgruppe gründen, ist eigentlich alles perfekt.

Es gibt 99 Gründe, sich zu beschweren.

Aber offenbar keinen einzigen, damit sich etwas ändert.

Wir lieben Gütersloh.

Lesermeinung. Name und Identität des Verfassers sind der Redaktion bekannt.

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