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NOW Kommentar: Schluss mit der posthumen Leerstandsförderung

Von KWS, Kunst und Kultur, Kommentare, 1.071 Views

#NOW #Kommentar: Schluss mit der posthumen Leerstandsförderung

#Gütersloh, 10. September 2026

Manchmal muss man eine #Sache nur #umdrehen, um zu erkennen, wie merkwürdig sie eigentlich ist. Nehmen wir die #Leerstandsförderung in unseren #Innenstädten.

Seit Jahren wird mit Öffentlichen #Förderprogrammen versucht, leerstehende Ladenlokale wieder mit Leben zu füllen. #Kommunen können leerstehende #Immobilien anmieten und zu erheblich reduzierten #Konditionen an neue Nutzer weitervermieten. Die Idee dahinter ist zunächst einmal nachvollziehbar: Leerstände sollen verschwinden, neue Konzepte eine Chance bekommen und Innenstädte wieder attraktiver werden.

Aber warum beginnt die Förderung eigentlich erst mit dem Leerstand?

Vor dem #Leerstand befand sich dort schließlich meistens schon ein #Geschäft. Vielleicht ein #Einzelhändler, der seit 10, 20 oder 30 Jahren seine #Miete bezahlt hat. Der #Mitarbeiter beschäftigt, #Waren eingekauft, #Versicherungen bezahlt, #Steuern abgeführt und möglicherweise #Gewerbesteuer an genau jene Kommune gezahlt hat, die sich später um seinen leerstehenden Laden kümmern muss.

Solange dieser Händler durchhält, ist er offenbar kein #Förderfall.

Er bezahlt die volle Miete. Er trägt das volle wirtschaftliche Risiko. Steigende Energiepreise, Personalkosten, Inflation, sinkende Frequenzen und verändertes Konsumverhalten sind sein Problem.

Dann gibt er auf.

Und plötzlich wird sein Laden interessant.

Jetzt ist er nämlich ein #Leerstand. Jetzt können #Fördermittel beantragt, Programme aufgelegt, Eigentümer angesprochen und neue Nutzungskonzepte entwickelt werden. Unter Umständen zieht anschließend ein neuer Händler, ein Start up, ein Pop up Konzept oder irgendein anderes #Innenstadtprojekt zu erheblich vergünstigten Konditionen genau dort ein, wo der vorherige Unternehmer jahrelang die volle Miete bezahlt hat.

Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Der wirtschaftlich bewährte Betrieb muss seine Tragfähigkeit jeden Monat am Markt beweisen. Der Nachfolger darf seine Tragfähigkeit mit Öffentlicher Unterstützung ausprobieren.

Und wer finanziert diese Unterstützung?

Natürlich der #Steuerzahler. Also auch jene #Unternehmer, #Einzelhändler und #Gewerbetreibenden, die noch da sind. Diejenigen, die weiterhin ihre volle Miete bezahlen, weiterhin Steuern abführen und weiterhin jeden Morgen ihre Ladentür aufschließen.

Das ist eine bemerkenswerte #Förderlogik.

Noch bemerkenswerter wird sie, wenn ein gefördertes Konzept nach dem Ende der Förderung wirtschaftlich eben doch nicht funktioniert. Das geschieht keineswegs immer. Aber dass mit dem Auslaufen vergünstigter Konditionen auch manche vermeintliche Wiederbelebung endet, gehört inzwischen zum vertrauten Bild vieler Innenstädte.

Dann steht das Ladenlokal wieder leer.

Und das Förderkarussell kann sich von Neuem drehen.

Vielleicht sollten wir deshalb einmal über eine andere Form der Leerstandsförderung nachdenken: die Förderung von Leerständen, bevor sie entstehen.

Das klingt zunächst paradox. Ist es aber überhaupt nicht.

Warum muss ein seit Jahren bestehender inhabergeführter #Einzelhändler erst verschwinden, bevor sein Ladenlokal förderwürdig wird? Warum können Öffentliche Mittel nicht gezielt eingesetzt werden, um nachweislich funktionierende Strukturen zu erhalten?

Dabei muss niemand mit der #Gießkanne die Mieten sämtlicher Geschäfte einer Innenstadt bezahlen. Präventive Förderung ließe sich an klare Bedingungen knüpfen: langjähriges #Bestehen, #Arbeitsplätze, inhabergeführte #Strukturen, nachgewiesene wirtschaftliche #Belastungen, #Investitionen, #Modernisierung, #Nachfolgeregelungen oder besondere Bedeutung für einen Standort.

Vielleicht wären 500 Euro Unterstützung für einen bestehenden Händler manchmal besser angelegtes öffentliches Geld als 1.000 Euro Mietzuschuss für seinen Nachfolger.

Denn jeder verhinderte Leerstand muss anschließend nicht beseitigt werden.

Eigentlich ist das keine revolutionäre Erkenntnis. Wir betreiben Brandschutz schließlich auch nicht ausschließlich dadurch, dass wir Feuerwehren finanzieren. Wir bauen #Rauchmelder ein, kontrollieren #Brandschutzanlagen und versuchen zunächst einmal zu verhindern, dass es überhaupt brennt.

Bei unseren Innenstädten scheinen wir dagegen erstaunlich häufig zu warten, bis es qualmt.

Dann kommen Förderprogramm, Innenstadtmanagement, Nutzungskonzept und Mietzuschuss.

Vielleicht ist es Zeit, diese Reihenfolge umzudrehen.

Schluss mit der posthumen Leerstandsförderung

Wir sollten nicht erst Geld dafür ausgeben, verschwundene Strukturen irgendwie zu ersetzen. Wir sollten anfangen, das Bestehende zu fördern, bevor wir sein Verschwinden fördern müssen.

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