Von Hartmut Brand, Kunst und Kultur, Musik, 6.968 Views
#Brands #Kultur #Check: #Interview mit Bodo Wartke
#Lippstadt, 8. Juli 2026
Abera Kadabera! Feiner #Sprachwitz, überraschende #Reimkultur und virtuoses #Klavierspiel – das 7. Programm von #Bodo #Wartke bietet unterhaltsames #Musikkabarett und wortakrobatischen #Zungenbrecher #Slam. Der #Entertainer und #Poet setzt das Staunen gegen die Macht der Gewohnheit, stellt Humor den alten Mustern an die Seite. Leichtigkeit! Warum nicht?
Bodo Wartke bringt es auf den Wunderpunkt!
Im Vorfeld seines Auftritts auf der Sommerbühne Paderborn nahm sich Bodo Wartke Zeit, für ein Interview mit Hartmut Brand.
Am 28. August 2026 sind Sie um 20 Uhr auf der #Sommerbühne #Paderborn zu Gast. Wie würden Sie jemandem, der noch keins Ihrer Programme gesehen hat beschreiben, was ihn erwartet?
Übergreifend würde ich es so ausdrücken, dass die Zuschauer Begriffe, die jeder kennt, durch die Schönheit der Sprache mit anderen Augen betrachten. So, wie ich zum Beispiel in einem Song den Begriff Rauschunterdrückung auf eine neue Art und Weise verwende. Bekannte Worte in einem Zusammenhang, den man so noch nicht gehört hat.
In diesem Song »Mein Achtziger Mixtape« heißt es: »Und Du gerätst, wenn Du ihm lauschst, in einen Rausch der Verzückung. Auch wenn ich ihn aufnehme mit Rauschunterdrückung« Wie geht man das Texten an, um auf solche Sprachfeierlichkeiten zu kommen?
Oft ist der #Zufall ein magischer Weggefährte. In diesem Falle hatte ich mich mit den technischen Details des Themas befasst und stieß dabei schnell auf diese Doppeldeutigkeit, die uns unser Wortschatz bietet. Die Ausarbeitung dieser Doppeldeutigkeiten begeistert mich immer wieder auf Neue.
Live wird dieser Song zu einem echten Mitsing Erlebnis. Wie wichtig ist es Ihnen, das Publikum immer auch mit einzubeziehen?
Die Textsicherheit, mit der das Publikum mitmacht, hat mich überrascht. Nicht nur in diesem Song, wenn es darum geht »Words« oder andere Songs dieses Mixtape mitzusingen. Auch, wenn Reime ergänzt werden und das Publikum gemeinsam »Bleistift« ruft. Es ist diese Art und Weise, wie das Publikum meine Texte aufnimmt, die die Abende zu etwas Besonderem macht.
Ihr Programm ist aber so viel wie ein Reim Stakkato wie bei »Barbaras Rhabarberbar«, das sicherlich jeder kennt. Ihre Texte wie bei »Die Muster sind mächtig« sind tief, schonungslos ehrlich und dennoch regen oft zum Nachdenken an. Treffen sie nach ihren Konzerten auch auf Reaktionen, die so eine Tiefgründigkeit aufgrund des viralen Hits nicht erwartet hätten?
Ja, das höre ich oft. Natürlich erfülle ich viele Erwartungshaltungen. Aber das Programm hat viele verschiedene Facetten. So wie zum Beispiel auch bei Konzerten von Reinhard Mey, wo man in dem einen Moment noch lacht, während man beim nächsten Song sehr nachdenklich oder gar traurig wird.
Kann und soll »#Wunderpunkt« auch mal weh tun, wenn Sie den Finger in Gesellschaftswunden legen wie bei »Ein Tag ohne« oder Mansplaining«?
Der Titel des Programms entspringt der Finesse der deutschen Sprache, dass man mit der Abänderung eines Buchstabens eine #Mehrdeutigkeit hinbekommt. So wie hier zwischen #Wunden und #Wunder. Es ist die Kraft der Fantasie, sich etwas in unterschiedliche Richtungen auszumalen und dann zu entscheiden: »Womit geht es uns besser?«
Entwickelt sich diese Finesse der deutschen Sprache auch weiter? Wie zum Beispiel beim Thema #Gendern?
#Sprache war noch nie statisch und hat immer versucht, die Realität abzubilden und so bin ich mir sehr sicher, dass das auch in diesem Fall funktionieren wird. Es ist eine weitere sprachliche Herausforderung, aber unsere Sprache birgt soviel Potential in sich, dass ich das sehr entspannt sehe.
Man muss ja nur mal schauen, wie viele Redensarten man aktuell in seinem Sprachgebrauch hat, an die man vor einigen Jahren noch nicht gedacht hat. Vielleicht haben wir aktuell noch nicht die eine Lösung gefunden, das alles sprachlich abzudecken, weil die eine oder andere Variante auch ihre Grenzen hat, aber ich bin da sehr zuversichtlich.
Sie möchten mit diesem Programm »das Staunen gegen die Macht der Gewohnheit« setzen. Was hat Sie persönlich in der letzten Zeit so richtig zum Staunen gebracht?
Es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich in #Berlin ein #Ballhaus besucht, wo »David Hermlin & The Swing Dance Orchestra« spielten. #Swing der 30er Jahre in neuem Gewand. Da spielte eine 15 köpfige Band, die den Sound von damals verheutigt. Das klang so fresh, so lebendig. So etwas mitzuerleben ist nicht zu ersetzen.
Könnten Sie sich vorstellen, dass das Live Erlebnis auf den Bühnen wieder mehr geschätzt wird, weil wir inzwischen von so viel beliebigen KI Content zugemüllt werden?
Davon gehe ich aus. Nichts ist wichtiger als die Gemeinschaft und der Austausch. Gerade so etwas wertvolles wie die #Kunst und die #Kultur darf man nicht an Maschinen abgeben.
Ich halte es da mit Marc Uwe Kling, der der #KI lieber seinen Abwasch überlassen würde, als dass sie ihn an andere Stelle unterstützen sollte.
»Wunderpunkt« feierte am 5. Dezember 2024 im »Berliner Admiralspalast« Premiere. Wie kann man sich das vorstellen. Entwickelt sich so ein Programm im Laufe der Zeit weiter, wird es an die aktuellen Ereignisse angepasst?
Alle Programme von mir sind in einem ständigen Wandel und werde von mir verheutigt, wenn mich etwas akut beschäftigt. Ich spiele immer wieder aktuelle Dinge, Geschehnisse und Erlebnisse ein.
»Überwunden« ist mein Favorit aus »Wunderpunkt«. Ist das das Lied mit denen sie das Publikum verabschieden, um Ihnen dann noch einmal ein gutes Gefühl mit auf den Weg zu geben, dass noch nicht alles verloren ist?
»Überwunden« ist tatsächlich der letzte Song der zweiten Hälfte meines Programms und der Titel dieses Songs birgt auch wieder eine Doppeldeutigkeit in sich. Über Wunden und überwunden
Ich traue uns das zu, dass wir diese genannten Dinge überwinden, weil die geschichtliche Entwicklung gezeigt hat, dass wir schon mehrfach vor existenziellen Krisen standen, die wir gemeistert haben.
Die 80er, von denen viele sagen, dass damals alles besser war, sind dafür sicherlich exemplarisch, oder?
Das #Waldsterben, der Kalte #Krieg, #Tschernobyl, hochgiftige Flüsse. Auch hier hat die Menschheit gezeigt, dass es möglich ist, eine bessere Zukunft zu imaginieren und darauf hinzuarbeiten, wenn wir es wollen.
Dazu mal folgendes aktuelles Beispiel: Der Anteil der #Windenergie an der gesamten #Stromerzeugung in #Texas liegt derzeit bei etwa 22 Prozent. Damit ist der Bundesstaat der unangefochtene Spitzenreiter in den USA und produziert mehr Windstrom als jeder andere US Staat. Und das gerade in einem Staat wie Texas.
Daher ist Zuversicht angesagt, weil es einfach besser ist, daran zu glauben. Womit wir wieder bei der Kraft der Fantasie wäre.
Das ist ein schönes Schlusswort mit dem ich mich recht herzlich bei Ihnen bedanken darf und Ihnen alles Gute für die Zukunft wünsche. Tickets für »Wunderpunkt« am 28. August 2026 auf der Sommerbühne Paderborn oder am 13. Oktober 2026 in der Stadthalle Bielefeld gibt es noch online.
Weitere Infos zu Bodo Wartke und seinen weiteren Tourterminen gibt es hier.
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